Goethes Helfer: Der feine Herr Soret

Zehn Jahre bei Goethe, dem Kollektivwesen.

20.07.2026 61 min

Zusammenfassung & Show Notes

In Folge 23 stellen Thomas und Marcus einen weiteren Unterstützer Goethes vor: Frédéric Soret (1795-1865), ein Schweizer Privatgelehrter, wurde 1822 als Erzieher des späteren Großherzogs Karl Alexander nach Weimar berufen. Dort entwickelte sich eine enge Beziehung zu Goethe, die bis zu dessen Tod 1832 andauerte. Sorets Buch „Zehn Jahre bei Goethe“ (1836) gilt als eine der wichtigsten Quellen für Goethes Spätwerk und Alltag.

Soret unterstützte Goethe in mehreren wissenschaftlichen Disziplinen. In der Mineralogie half er bei der Klassifizierung von Goethes Sammlung, erstellte einen Katalog und veröffentlichte ihn in dessen Zeitschrift „Zur Naturwissenschaft überhaupt“. Zudem lieferte er neue Mineralien für Goethes Studien.

In der Botanik arbeitete Soret an einer überarbeiteten, zweisprachigen Ausgabe von Goethes „Metamorphose der Pflanzen“ (1790). Er übersetzte den Text ins Französische und unterstützte bei der finalen Fassung. Ein weiteres Projekt war die Übersetzung eines Kapitels aus Candolles „Organographie végétale“, das Goethe in seine botanischen Studien einbezog.

Zwischen Goethe und Soret entstand ein reger Briefwechsel mit 106 erhaltenen Briefen Goethes. Die Korrespondenz zeigt Goethes wissenschaftliche Neugier und persönliche Reflexionen, etwa über den Tod:
Darin findet sich Goethes Betrachtungen über sich selbst als „Kollektivwesen“ - ein Sammelbecken für Ideen und Beiträge anderer. Soret dokumentierte diese Haltung und Goethes Spätwerk.

Unterstützt den Podcast via:
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Leseempfehlung: 

Mit Musik von Beat Soup, Francesco Siano, Nsee, Ben Laver, Eben Vogel, Daniel Irambona, Jacobus Marcello via Audiio

Idee, Technik und Produktion: Marcus Anhäuser

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Marcus auf 

Thomas bei der Klassik Stiftung in Weimar.
Marcus bei Riffreporter.

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Das Transkript wurde automatisch erstellt und enthält wahrscheinlich Fehler. Die Zusammenfassung wurde auch mit Hilfe von KI erstellt, aber überarbeitet.

Transkript

Wir haben zum ersten Mal einen Hidden Track.
Thomas
00:00:02
Was ist das?
Marcus
00:00:03
erinnerst du dich früher, es gab bei CDs, gab's das.
Thomas
00:00:05
Hast du was Satanistisches eingespielt?
Marcus
00:00:07
Nein, du hast irgendwie so zwölf Songs, die halt offiziell die Songs da sind. Und dann, laut Inhaltsverzeichnis, gibt's keinen weiteren Song. A trotzdem ist da noch ein Song irgendwie drauf, der keinen Titel hat und gar nichts.
Thomas
00:00:18
Und was ist der Sinn von sowas?
Marcus
00:00:19
Spaß, Spannung, eine versteckte Botschaft oder irgendwie vielleicht noch was, wo man so dachte, ach, irgendwie passt das in der Arbeit. Ist eigentlich schade, wenn das jetzt verschwindet. Das sind so Sachen aus der Musik noch, die ich irgendwie immer interessant fand, die man ja auch durchaus im Podcast-Bereich nutzen kann. Ich bin Marcus Anhäuser, Wissenschaftsjournalist und darf Thomas Löcher in den Bauch fragen. Oder die hidden tracks in dieser Folge gibt's dass wir euch auf eine falsche Fährte schicken. Aber hört mal in die letzten zu entdecken. Weil einige gefragt Wenn ihr den Podcast wollt, freuen wir uns auf euren Beitrag. Den regelmäßigen Obolus oder meine persönliche Seite auf Riffe. Links stehen in den Show Notes. Das hilft uns, den Podcast am Laufen zu halten. Okay, meinen weiteren Unterstützer Goethes. Und damit wird es zur Serie. Viel Spaß. Wir sind schon mittendrin im Thema. Wir
Thomas
00:02:00
Ja,
Marcus
00:02:00
wollen
Thomas
00:02:00
genau.
Marcus
00:02:00
Also, im Prinzip haben wir begonnen, ohne dass wir es angekündigt haben, so eine kleine Serie zu machen. Und zwar über Goethes Helfer, weil Goethe so eine gewaltige Sammlung hat und so viel zu tun hat, dass durchaus Leute gehabt haben, die ihm dabei geholfen haben. Und letztes Mal haben wir den Sohn vorgestellt und sein tragisches Schicksal nacherzählt. Und diesmal stellen wir einen Mann vor, der heißt Friedrich Jakob Soré.
Thomas
00:02:31
Friedrich Jakob.
Marcus
00:02:33
Jakob? Okay. Also er ist geboren in interessanterweise, obwohl seine Eltern aus Genf waren, in St. Petersburg. Hab ich gesehen?
Thomas
00:02:42
Mhm.
Marcus
00:02:43
Bei Wikipedia wird ja als Schweizer Privatgelehrter und Numismatiker vorgestellt. Warum hast du jetzt Friedrich Soré ausgesucht?
Thomas
00:02:52
Ja, man kennt natürlich ganz viele und wir werden auch wahrscheinlich noch viele Helfer, Helfer, komisches Wort, aber wir lassen es mal so, auswählen, Unterstützer, befreundete Wissenschaftler, die auch aktiv ins Sammeln in den Naturwissenschaften eingegriffen haben, mitgewirkt haben, Soré gibt es eigentlich keinen Grund, den jetzt als Ersten darzunehmen. Bei August ist es klar, der als Sohn ist ja sowieso eine ganz andere Rolle denn als Helfer. Man könnte viele nehmen, wir werden auch noch einige nehmen. Soré ist deswegen interessant, weil er und seine Rolle weit über die des Helfer hinausgeht. Erstens hat er auch ein schönes Buch geschrieben, sozusagen, oder er hat eigentlich kein Buch geschrieben, sondern es wurde dann nach seinem Tod das Buch herausgegeben, das den Titel trägt, 10 Jahre bei Goethe. Und das behandelt auf vielen hunderten Seiten, also die Ausgabe, die er hat so französisch geschrieben, Soré hat das meiste auf französisch geschrieben, oder alles auf französisch geschrieben, ist aber ins Deutsche übersetzt worden, auf etwa 800 Seiten, die letzten 10 Jahre von Goethes Leben, sehr detailreich, und da war
Marcus
00:04:04
Mitarbeiter
Thomas
00:04:04
Soré und er war Erzieher, Hof in Weimar, das ist ja der Grund, warum er
Marcus
00:04:11
und
Thomas
00:04:12
gekommen ist. Werden wir dann vielleicht noch kurz, wenn wir das Leben ganz kurz rekapitulieren. Dieses Buch, 10 Jahre über Goethes,vielleicht auch die Buchempfehlung unserer, diesen Folge, ist immer eine wirklich interessante Quelle mit ganz vielen Details und aus dem Leben, aus dem Alltag, aus dem Denken Goethes, aus den Beziehungen, aus den wissenschaftlichen Problemen der letzten 10 Jahre von Goethes Leben, ja.
Marcus
00:04:44
Also er war,
Thomas
00:04:45
ich glaube, das ist alleine schon ein Grund
Marcus
00:04:47
Bei
Thomas
00:04:47
dafür.
Marcus
00:04:47
Goethe dann von 1822?
Thomas
00:04:50
Vo 1822 ist
Marcus
00:04:51
Ja.
Thomas
00:04:51
er gekommen bis zur Volljährigkeit 1836 von Karl Alexander, da war Goethe nämlich
Marcus
00:04:58
Aha.
Thomas
00:04:58
schon tot, war so insgesamt 14 Jahre in Weimar und davon eben zehn Jahre in engen Verkehr und fast freundschaftlichem Verkehr mit Goethe, wobei Goethe ja da schon ein alter Mann ist und Friedrich Soirey ja ein junger Mann, also es gibt immer nicht nur ein Gewicht, der Stellung des ehemaligen oder des Ministers und des großen Dichters zu dem vergleichsweise jungen Wissenschaftler.
Marcus
00:05:29
Ja, um das mal gerade
Thomas
00:05:30
zu
Marcus
00:05:31
rechnen, also er ist 1795 geboren, 1822 ist er gekommen nach Weimar, also war
Thomas
00:05:38
Er
Marcus
00:05:39
er
Thomas
00:05:39
war noch nicht mal 30,
Marcus
00:05:40
27, 27, 28 Jahre alt, also noch ein junger Mann, also wirklich ein junger Mann.
Thomas
00:05:46
Ja,
Marcus
00:05:47
Interessant
Thomas
00:05:47
hm.
Marcus
00:05:48
auch, dass...
Thomas
00:05:48
Genau.
Marcus
00:05:50
würden wir unseren Söhnen so jungen als Erzieher zur Seite stellen?
Thomas
00:05:56
Du wirst jetzt wissen, Warum? Ja, hast du recht, das ist gut.
Marcus
00:06:02
Ja,
Thomas
00:06:03
Du hast dich gewundert, dass er in St. Petersburg
Marcus
00:06:05
ja.
Thomas
00:06:05
geboren ist und das ist der Grund. Also die Soireys selber waren sozusagen Flüchtlinge.
Marcus
00:06:12
Mhm.
Thomas
00:06:12
Das war ja schon die ganze Familie Soireys nach dem, ich will jetzt nicht beim Ei
Marcus
00:06:18
Mhm.
Thomas
00:06:19
beginnen, aber wenn du das jetzt so ansprichst, kann man es ja sagen. Das Edikt von Nantes, wir erinnern uns, ich glaube 1598, führt ja zu einer Welle von protestantischer Flucht aus Frankreich und da kommen die auch nach Genf. Die Revolution und diese Unruhen dann im späten 1800 führt dann wieder zur Vertreibung vieler und da kommen die, oder im späten 1800 kommen wieder hugenotische Refugees sozusagen nach Russland und da ist auch die Familie von Soirey dabei, die Eltern von Soirey und die sind im Umkreis des Hofes tätig. Die Familie Soirey und Duval im Umkreis des...
Marcus
00:07:05
Zahn.
Thomas
00:07:06
Der
Marcus
00:07:06
Mhm.
Thomas
00:07:07
Zahn und Maria Pablona als Zahntochter kommt ja dann nach Weimar, heiratet ja Karl Friedrich, den Sohn von Karl August, also der Minister, der für Goethe zuständig ist, äh Quatsch, also der Fürst, in dessen Diensten dann Goethe Minister ist, so das ist Karl August, dessen Sohn ist Karl Friedrich und dessen Sohn wie der Karl Alexander soll der junge Magist, Friedrich Soirey da erziehen und das fußt eben aus dieser alten Verbindung nach St. Petersburg mit der Zahnfamilie,
Marcus
00:07:40
Mhm.
Thomas
00:07:41
die über die Maria Pablona, die Zahntochter, die dann nach Weimar kommt und die Ehefrau von Karl Friedrich...
Marcus
00:07:47
Da könnte jemand empfohlen haben oder die?
Thomas
00:07:51
Hat mit Sicherheit die Mutter empfohlen, äh die Zahntochter, also die Mutter von Maria Pavlona, die in guter Erinnerung hatte und die auch den Vater und wahrscheinlich auch den Soirey fünftin, die die Mutter die Zahnfrau von Karl Friedrich Soirey kannte, also über diese Beziehung. Soirey selber hat ja, muss man dazu sagen, die gingen ja nach Genf zurück, da war Soirey fünf, hat also wahrscheinlich nicht viel Erinnerung gehabt an diese St. Petersburger Zeit, studiert dann Theologie und hat eigentlich gar keine Lust dann nach Weimar zu gehen möchte, dann in Genf bleiben, wird dann aber vom, eigentlich vor allem vom Großvater, von seinem Großvater dann überzeugt, dass das eine tolle Stellung ist, ein tolles Angebot, das man nicht ausschlagen kann. Und dieser Großvater war Etienne Dumont, das war auch eine interessante Figur, nämlich das war der Sekretär von Mirabeau während der Französischen Revolution, also vor der Französischen Französischen Revolution, war eine sehr bekannte Figur, intellektuelle Figur, der Übersetzer von Jeremy Bentham ins Französische, hat auch selbst geschrieben, ja, also ausschlaggebend war wahrscheinlich der Rat des Großvaters. Und das macht dann der junge Frederic Jung, der nachdem er seine geheime Liebe, die sind immer die Naturwissenschaften gewesen, aber er hat in Theologie studiert, hat dann allerdings Widerspruch erregt, weil er am Ende des Theologiestudiums gearbeitet hat über die Genesis.
Marcus
00:09:21
Mhm,
Thomas
00:09:23
Und da die Auffassung vertreten hat, dass diese Schöpfungstage, die da beschrieben werden, nicht als Tage zu nehmen sind, sondern als Schöpfungsperioden unbestimmter
Marcus
00:09:34
mhm,
Thomas
00:09:34
Zeit, was eigentlich ja in der Logik auch der Genesis liegt, denn es kann ja auch nicht, es kann ja nicht von einem Tag die Rede sein, wenn es noch keine Sonne gibt, die sozusagen diesen Tag dann bestimmen würde, diese 24 Stunden. Also, hat aber das theologische Genfer Konsistorium offensichtlich anders gesehen und hat eine fundamentalistische Auslegung gehabt und das hat ihn also nachhaltig verärgert oder
Marcus
00:10:07
mhm.
Thomas
00:10:07
gestört und hat sich dann unter Theologie nicht abgewandt, aber hat sie nicht zum Beruf gemacht, sondern hat dann seiner geliebten Mineralogie sich zugewandt oder auch als Und da war's vor allem, da hatte er Lehrer in Paris, nämlich den Auy, René Schüste Auy, den wir schon mal hatten, de Begründer der Kristallografie, ein Priester und eben Kristallografen, aber auch den Biro, den Geologen und andere, die ihn da gefördert und unterstützt haben. Und das hat Frederik Sauré dann zu einem interessierten und wichtigen Mineralogen gemacht, der eben vor allem die Kristallografie im Petto hatte. Und das war wiederum das, was Goethe fasziniert hat, für den es ja schwierig, das Eindenken in die Kristallografie war ja schwierig, das hatten wir ja schon öfter das Thema. Das ist eine mathematische Form, sich der Vielfalt, der mineralogischen Vielfalt zu nähern, der Vielfalt der Mineralien.
Marcus
00:11:19
Das musst du kurz erklären. erinnere mich nicht
Thomas
00:11:21
Ich
Marcus
00:11:21
mehr, wir haben das mal, haben wir das mal so erklären mit dem?
Thomas
00:11:24
Wir haben das sicher mal. Wenn ich auf das
Marcus
00:11:26
Hm .
Thomas
00:11:26
Thema komme, dann erzähle ich das meistens. Also Goethe hat ja mit Werner und mit vielen anderen auch mineralogisch gearbeitet und hat sich interessiert. In der Zeit, in den fünf Jahrzehnten, in denen er das gemacht hat, kommt aber als eine neue Disziplin sozusagen die wissenschaftliche Untersuchung und Einteilung der Mineralien auch nach ihrer Kristallstruktur auf. Da ist Ayi eben der
Marcus
00:11:56
führende Mann,
Thomas
00:11:57
den wir gerade erwähnten, der Begründer dieser Wissenschaft. Kann man sich heute kaum vorstellen, dass Kristallin nicht nach einem mathematisch begründeten System in Mineralklassen und so weiter betrieben wurde. Ist aber so, das ist erst eine Entdeckung des 18. Jahrhunderts, eben des späten 18. Jahrhunderts. Und dir war Goethe aber weitgehend verschlossen, denn die mathematische Vorstellungs...
Marcus
00:12:27
Ja.
Thomas
00:12:28
Das mathematische Organ hat er laut eigener Aussage
Marcus
00:12:30
geachtet.
Thomas
00:12:30
nicht Und das Buch von Naumann, das Lehrbuch zur Kristallografie, hat er nur bis zur Seite 38 aufgeschnitten. Nämlich ab dieser Seite beginnt dann die, nach der Einleitung, die eigentliche mathematische Bearbeitung. Und das war ihm sozusagen ein schwierig vorzustellendes und nachvollziehbares System. Und das hat eben dann Soiree sozusagen, diese Kenntnisse brachte Soiree mit. Das hat ihn interessant gemacht.
Marcus
00:13:34
Gibt's zufällig irgendwie... War ich ja auch beschrieben, ein erstes Zusammentreffen, das irgendwie besonders war oder die haben sich einfach zwangsläufig irgendwie getroffen, logischerweise dann. Mhm.
Thomas
00:13:46
haben das, aber wir wissen, wir kennen den Tag natürlich. Es war der 21. September 1822, wo man sich getroffen hat, zum ersten Mal. Was da passiert ist, habe ich jetzt
Marcus
00:13:57
Sie
Thomas
00:13:57
vergessen, weiß ich nicht mehr. Aber man kann es datieren, ab diesem Tag. Und es setzt dann auch ein Briefwechsel ein, trotz der Nähe, also Hof und so weiter. Und trotz der... Soiree war häufiger Gast in Goethes Haus am Fraunplan. Und wir denken ja bei Gesprächen mit Goethe, denken wir ja nicht an Soiree, s wir denken an Eckermann. Eckermanns Gespräche, ein berühmtes Buch, laut Nietzsche, eines der besten Bücherdeutscher Sprache, aber vieles davon, obwohl Eckermann natürlich auch häufiger Gast in dem Hause, aber vieles davon hat Eckermann von Soiree übernommen, manchmal auch ohne es zu kennzeichnen, hat das literarisch, dokumentarisch verarbeitet, was wir bei Soiree auch und ursprünglicher fast finden und schon deswegen ist das Buch von Soiree, 10 Jahre bei Goethe, ein wichtiges Quellenwerk, kann man fast sagen. Ja, aber Soiree war nicht nur eben Mineraloge, sondern der war auch durch seine feinfühlige Art, seine zurückhaltende Art, ein von Goethe sehr auch menschlich geschätzt Freund, kann man fast sagen, Freund, so spricht er ja noch an, es ist natürlich immer die hierarchische Distanz da.
Marcus
00:15:15
Von dem fast 30-Jährigen zum?
Thomas
00:15:19
Genau, zum
Marcus
00:15:20
80-Jährigen,
Thomas
00:15:20
80-Jährigen. 70,
Marcus
00:15:21
ja.
Thomas
00:15:22
70- bis 80-Jährigen, genau.
Marcus
00:15:24
Okay. Wie hat er ihn denn jetzt, außer in Gesprächen, wie hat er ihn denn konkret unterstützt? Wie hat er ihm geholfen?
Thomas
00:15:34
Also zum einen ist Soiree immer wieder Überbringer von Stücken, von Stufen, von Mineralien auf den Reisen, die Soiree macht, finden sich eben solche Stücke in der Sammlung, sind bis heute nicht genau untersucht, was das ist, aber es finden sich im Briefwechsel immer wieder Angaben, was er mitgebracht hat und dass das eben für Goethe ist und das hat Goethe sehr interessiert. Also das ist das eine, also er liefert sozusagen. Zum anderen hat er Teile der Sammlung untersucht und geordnet und beschriftet und vor allem einen kleinen Katalog dazu gemacht, auf Französisch, den Goethe auch veröffentlicht. In seiner Zeitschrift zur Naturwissenschaft überhaupt gibt es dann so einen Katalog Résonnee, der Varietäten der Amphibole, Pyroxene, Augite vom Wolfsberg in Böhmen veröffentlicht. Goethe natürlich unter Soires Namen in seiner Zeitschrift findet sich, dieser Katalog findet sich natürlich auch dann in den gesammelten Werken wieder, wenn sie diese Zeitschrift zur Naturwissenschaft überhaupt wiedergeben.
Marcus
00:16:46
Die
Thomas
00:16:48
er
Marcus
00:16:49
mitgebracht hat, könnt ihr die alle zuordnen, weil er die halt dann...
Thomas
00:16:54
Nein, das ist auch eine zukünftige Aufgabe.
Marcus
00:16:58
Das heißt, die liegen irgendwo in der Schublade und die wissen noch gar nicht genau.
Thomas
00:17:03
Genau, das kann man in Einzelnen sagen, ja, das ist das. In anderen ist es halt zweifelhaft, wie das oft so der Fall ist.
Marcus
00:17:11
Aha. Okay. Das heißt, er war dann auch da im Böhmischen, auf der Vulkankuppe am Wolfsberg?
Thomas
00:17:20
Das glaube ich nicht, dass er selber dort war, sondern... Oder das weiß ich nicht, aber ich nehme nicht an, dass er dort war, sondern er hat aufgrund seiner Kenntnisse das geordnet.
Marcus
00:17:34
Okay.
Thomas
00:17:38
Das sind schon mehrere Aspekte der Mitarbeit, wenn du so willst, also das Liefern, das Katalogisieren und so weiter. Wichtiger dritter Punkt ist die Botanik. Die muss jetzt auch langsam sozusagen ins Spiel kommen. Botanik Soiré war Mitarbeiter in einem für Goethe sehr wichtigen Projekt, nämlich in dem Versuch, die Metamorphose der Pflanzen in das Französische zu übersetzen und erneut zu publizieren. Also 1790 ist ja die Metamorphose der Pflanze
Marcus
00:18:12
Die
Thomas
00:18:12
erschienen. Jetzt sind viele Jahrzehnte ins Land gezogen. Es hat sich viel getan in der Botanik. Goethe möchte gerne das nochmal publizieren, mit den zusammengestellt mit seinen Ausführungen, was bisher in der Botanik passiert ist, und er möchte das gerne in einer der führenden, vielleicht der führenden Wissenschaftssprache seiner Zeit, also was wir heute ins Englische übersetzen würden, ist dann das Französische. Und dazu ist Frederik Soiré der richtige Mann, als muttersprachlicher Franzose, also als französischer Muttersprachler Franzose ist er nicht. Ja, bietet er sich an und das Projekt zieht Goethe dann mit
Marcus
00:18:54
Haben
Thomas
00:18:54
ihm.
Marcus
00:18:54
die sich eigentlich auf Französisch unterhalten, oder auf Deutsch, oder auf was auch immer?
Thomas
00:18:59
Gute Frage, das weiß ich auch nicht. nehme an, das war beides
Marcus
00:19:06
Ich
Thomas
00:19:06
gemischt, denn Soiré konnte natürlich auch sehr gut Deutsch, Gute konnte sehr gut Französisch, also es war beides möglich. Das Buch Zehn Jahre bei Goethe ist ursprünglich auf Französisch erschienen und dann ist er erst ins Deutsche übersetzt worden, also Frederik Soiré hat das auf Französisch geschrieben. Wir lesen das natürlich auf Deutsch jetzt und erstaunlicherweise hat Soiré ja im französischen Sender relativ wenig Wirkung entfaltet zu haben. Wenn man das Alter daran ablesen möchte, dass es nicht mehr einen französischsprachigen Wikipedia-Artikel zu ihm gibt, aber immer einen deutschen, ne?
Marcus
00:20:25
Wie muss ich mir das vorstellen bei den Mineralien? Also der saß bei Goethe im Haus und hat sich die Mineralien angeguckt. Und hat's sortiert und hat's beschriftet und hat notiert dazu gemacht und hat gesagt, okay, das ist jetzt so und so und deswegen muss er in die Gruppe und oder wie muss ich mir das vorstellen?
Thomas
00:20:48
Naja, also Sauré hat, begonnen hat's mit Diamanten und zwar hat Goethe ja bekanntlich mit Diamanten gehandelt, ist jetzt zu viel gesagt, aber er war als Mineraloge, Geologe, wie auch immer man das genau jetzt bezeichnen will und das Verantwortliche für die Bergwerke, natürlich auch ein Ansprechpartner, wenn der Herzog seine Edelsteine gekauft hat, dann wurde Goethe da auch hinzugezogen. Goethe selber hat ja zwar auch Edelsteine gehabt in seiner Sammlung, aber jetzt keine wertvollen Diamanten. Diese Käufe hat er sozusagen für den Herzog abgewickelt, genau.
Marcus OFF
00:21:29
Genau.
Marcus
00:21:30
Hallo, hallo.
Marcus OFF
00:21:30
Das war das Letzte, was ich von Thomas gehört hab.
Marcus
00:21:33
Du bist gerade weg, ich hör dich gar nicht mehr, Moment, vielleicht hier ist auch mein...
Marcus OFF
00:21:37
Dann hat uns das Internet ein Streich gespielt und die Verbindung gekappt.
Marcus
00:21:40
Hallo, hallo. Ich hör dich nicht. Ich seh, dass du noch sprichst.
Marcus OFF
00:21:45
Wir haben da nochmal neu
Marcus
00:21:46
Und?
Marcus OFF
00:21:46
angefangen. Viel Spaß beim Weiterhören.
Marcus
00:21:48
Wir waren bei den Diamanten.
Thomas
00:21:50
Mhm.
Marcus
00:21:50
Du sagtest, der Herzog hat Goethe, wenn es um Edelsteine geht, immer wieder zurade gezogen. Aber in der Sammlung von Goethe gibt es ja eigentlich keinen Diamanten, ne? Wenn ich mich recht entsinne. Ihr habt nur so einen, der sieht aus wie ein Diamant, dieser war kein Diamant.
Thomas
00:22:06
Ja, der ist als Diamant beschriftet. Also es gibt einen Diamanten, aber der ist eben nicht echt. Vielleicht muss man es so sagen. Aber das wissen wir erst seit
Marcus
00:22:15
Okay.
Thomas
00:22:15
ein paar Jahren nach einer Untersuchung, und der geht als Diamant natürlich bei Goethe durch und auch die letzten 200
Marcus
00:22:22
Okay.
Thomas
00:22:22
Jahre.
Marcus
00:22:24
Tja, so schnell wird man arm.
Thomas
00:22:28
Ja,
Marcus
00:22:28
Ein
Thomas
00:22:28
genau.
Marcus
00:22:28
Moment auf den anderen.
Thomas
00:22:29
Aber, genau. Aber es ist bezeichnend, dass die Sammlung mit ihm beginnt. Also das ist das Objekt 1, 1, 1 sozusagen.
Marcus
00:22:39
Ah, okay.
Thomas
00:22:40
Ja.
Marcus
00:22:41
Ja.
Thomas
00:22:42
Als härtestes Mineral und als Beginn der mineralogischen, systematischen Sammlung ist natürlich ein Diamant da. Aber kein echter.
Marcus
00:22:52
Gut. Da warst du beim...
Thomas
00:22:56
Ja,
Marcus
00:22:56
Bau,
Thomas
00:22:56
und...
Marcus
00:22:56
oder wie war das, genau?
Thomas
00:22:59
Genau. Und wenn Goethe sich damit jetzt im Namen des Herzogs beschäftigt, Dann zieht er ab 1822 eben, oder in dem Jahr 1822, den Frederic Soré, Der als Kristallograf, der als Kristallograf da natürlich jetzt besonders gut Auskunft geben kann und damit beginnt auch der Briefwechsel, der dann eben das Thema Diamanten hat. Und das ist das ist der Sack. Und das ist der Ausgangspunkt. Briefwechsel haben wir noch nicht erwähnt, aber es gibt eben einen Briefwechsel zwischen Goethe und Soré. Oder es gab ihn. Der ist auch idiert, 1877, aber er heißt nur Goethes Briefe an Soré und das völlig zu Recht. Das ist nämlich kein Briefwechsel. Die Briefe Sorés sind nämlich verloren. Es sind nur die Briefe Goethes erhalten. Ob es alle sind, wissen wir nicht genau, aber es scheinen weitgehend vollständig zu sein. 106 Briefe sind erhalten. Und die 100, 200 Briefe Sorés sind nach Sorés Tod verbrannt worden. Oder vernichtet worden von den Erben Sorés mit vielen anderen Papieren Sorés. Ja, deswegen ist es eigentlich kein Briefwechsel, sondern nur Goethes Briefe an Soré. Aber es ist trotzdem einer der interessanten, späten Brief, so ähnlich wie die Briefe Sternbergs, der Briefwechsel Sternbergs Soré in die letzten Jahrzehnte von Goethes Leben.
Marcus
00:24:31
Und gerade mal so, wie ist das eigentlich? Also ihr habt diese Briefe, 100 Briefe ungefähr, Goethes Soré.
Thomas
00:24:38
Ja.
Marcus
00:24:39
Und die sind schon alle... Die hat schon mal jemand alle durchgearbeitet und dann in einem Buch zusammengefasst.
Thomas
00:24:47
Genau. Hermann Ude hat die zusammengefasst und 1877 ediert, das war ein früherer Lädel-Wissenschaftler, wenn man so will, aus einer Dynastie von Goethe-Forschern und Lädel-Wissenschaftlern. Und der hat auch noch die Nachfahren Soares kontaktiert und schreibt dann eine schöne Einführung zu diesen Briefen. Genau. Aber natürlich sind die nicht nach philologischen Maßstäben eins zu eins, wie man das heute machen würde, ediert
Marcus
00:25:14
Wollte
Thomas
00:25:15
worden.
Marcus
00:25:15
man das heute machen?
Thomas
00:25:16
Naja, indem du einfach alles, was du noch in Handschriften hast, abgleichst und das eins zu eins mit der Rechtschreibung, mit der Zeichensetzung in einer kommentierten Ausgabe, philologisch getreu, wiedergibst. Also wir sind ja da in der frühzeit der Theologie, wenn man so will, wo es mehr darauf ankam, einen vereinheitlichten Text wiederzugeben. Das ist ja sozusagen auch einer der Vor- und Nachteile der Weimarer oder Sofien-Ausgabe, dass hier normierend eingegriffen wurde in den Text. Heute würde man das. Würde man jeden Eingriff in den Text akribisch kennzeichnen.
Marcus
00:26:04
Also normierend eingegriffen heißt an die...
Thomas
00:26:07
An die Rechtschreibung...
Marcus
00:26:09
Schreibung...
Thomas
00:26:09
Genau. Wenn du ein Komma setzt, würdest du das sozusagen auch noch angeheben heute. Damals machst du das, um den Text lesbar zu machen. Du normierst auch die Eigennamen. Damals würdest du heute auch nicht machen. Wenn man sich anschaut, wie frühe Briefeditionen oder Briefe von Humboldt wiedergegeben sind, da werden oft ganze Passagen ausgelassen, ohne dass man das kennzeichnet. Also da weißt du gar nicht, dass hier was fehlt. Beziehungsweise es werden Personennamen nicht wiedergegeben, weil die ja zum Teil damals noch leben. Und wir über Lebende berichten. Heute ist es uns weniger wichtig, ob da jetzt eine Person aus dem 19. Jahrhundert in ihrem Privatleben sozusagen Angaben wiederfindet. Aber damals war... Muss man auch Verständnis haben dafür, damals war das eben schon ein Thema. Vor allem, we das Fürsten waren.
Marcus
00:27:07
Das heißt, von diesen Briefen, da gibt es diese Bearbeitung und Dokumentation aus dem 19. Jahrhundert.
Thomas
00:27:14
77.
Marcus
00:27:16
Aber es hat dann nicht später dann nochmal... Also das schreit ja dann danach, dass dann irgendwann, was weiß ich, jetz hier im 20. Jahrhundert oder noch später jemand sagt, okay, wir müssen jetzt mal wirklich die Originalversion verschriftlichen.
Thomas
00:27:30
Hat
Marcus
00:27:31
dann wahrscheinlich irgendwann mal
Thomas
00:27:32
Es
Marcus
00:27:32
jemand...
Thomas
00:27:32
gibt ja eine Briefausgabe Goethe von Goethes Briefen. Die noch nicht vollständig ist, die irgendwann in den 1820er Jahren jetzt voranschreitet und die, wo das eben alles passiert, logisch.
Marcus
00:27:45
Ja, da wird das gemacht?
Thomas
00:27:47
Da wurde gemacht oder wird es gemacht?
Marcus
00:27:49
Ja, okay. Ich war dabei, genau, ich hatte gefragt, wie das so ganz konkret aussieht. Der sitzt bei Goethe vor den Mineralien und sortiert und annotiert und... Hat er auch beschriftet?
Thomas
00:28:02
es gibt auch Beschriftungen und eben auch diesen handschriftlichen Katalog gibt es, der dann publiziert wurde und man kann sich das so vorstellen, dass er einfach in der Sammlung war oder... Natürlich oft auch am Tisch und dann auch das Privat-
Marcus
00:28:16
Ja,
Thomas
00:28:16
und Familienleben miterlebt hat, zum Essen geladen wurde und so weiter. Oder eben im Arbeitszimmer bei der Übersetzung der Metamorphose der Pflanzen, dann mit dem Sekretär oder wer auch immer da mitgeschrieben hat, und dann zu dritt oder vielleicht sogar zu viert im Arbeitsthema war. So kann man sich das ungefähr vorstellen. Sprechen wir nochmal kurz...
Marcus
00:29:05
Ja.
Thomas
00:29:05
Pflanzen, das ist ja ein ewiges Thema für Goethe. Goethe denkt da ja auch darüber nach, entwickelt das weiter. Ist ja nichts abgeschlossen sozusagen in Goethes Leben. Und in der Spätphase des Nachdenkens über die Morphologie der Pflanzen, entwickelt Goethe von Marzius, dem Brasilienreisenden und Botaniker aus München, von Marzius oder mit ihm gemeinsam die Idee der Spiraltendenz. Und das ist ein Formprinzip, das über die eigentliche Metamorphose hinausgeht, also wo alles aus dem Blatt abgeleitet wird. Da müssen wir jetzt nicht genauer, da könnte man mal eine eigene Folge dazu machen. Aber Goethe möchte sozusagen der Wissenschaftswelt das nochmal präsentieren, diese Metham Hopus in der Pflanzen, mit den Weiterentwicklungen und auch seine eigenen budanischen Forschungsergebnisse oder sein eigenes budanisches Nachdenken präsentieren im Rahmen der Wissenschaftsgeschichte der letzten Jahrzehnte. Und dazu plant er eben eine zweisprachige Ausgabe, Deutsch und Französisch, braucht Sorey dafür als den Franzosen, der das Französisch-Muttersprachlichen, der das organisiert und übersetzt. Sorey übersetzt auch den Text, Goethe liest den dann und dann besprechen sie sozusagen, streicht das auch an, auch Rima ist da mitbeteiligt, der auch eine Art Helfer und Sekretär, auch eine sehr interessante Figur. Besprechen das dann Zeile für Zeile und Anmerkung für Anmerkung durch. Goethe kann ja, wie gesagt, sehr gut, selbst Französisch. Und ja, und planen ein größeres Werk, das sie bei Cotta verlegen wollen. Es kommen aber leider viele Dinge dazwischen, nämlich der Tod, wenn man so will.
Marcus
00:31:04
Das heißt, die sind hier rausgekommen, die Französische?
Thomas
00:31:09
Doch, doch, natürlich ist es rausgekommen. Also es beginnt eigentlich schon mit dem Tod, nämlich Goethe schließt ja den Wilhelm Meister, und zwar die Wanderjahre ab. Und dann stirbt Karl August und Goethe zieht sich nach Dornburg zurück und beschäftigt sich dort, lebt da fast alleine im Dornburger Schloss, wenn man es aber genau schaut, hatte, so allein war der gar nicht, sondern hatte dort immer wieder befreundete Wissenschaftler und sonst jemanden zu Besuch. Aber der Schwerpunkt seiner dortigen Beschäftigung ist eben die Botanik, Weinbau, alles, was ihn da interessiert und da vom Tod, das letztlich war Karl August ja ein Freund. Der Herzog war ja ein Freund, den er selbst kennt, seit er 26 Jahre alt ist. Also es war ein schwerer Schlag. Und da plant eben er das große Werk mit der Hilfe von Soir. Es wird ein zweiter bedeutender Genfer Botaniker, nämlich Kondol gelesen und rezipiert. Eugestin, Pyram de Kondol war ein bedeutender Botaniker, der auch den Botanischen Garten in Genf gegründet hat. Und Goethe übersetzt auch ein Kapitel eines Werks von Kondol aus der Organografie, aus dem Französischen. Also er rezipiert das ganz genau, sozusagen auch seine Einarbeitung in diese französischsprachige Welt der Botanik. Und somit steht, mit dem Tod von Karl August geht das eben fast los, kann man sagen. Und es ist ein umfangreiches Werk geplant. Also 400 Seiten soll es haben. Cotta gibt schon einen Vorschuss. Dauert aber alles länger als geplant und gedacht. Und es kommt wieder der Tod dazwischen, nämlich August von Goethe stirbt ja 1830. Und auch der Vater von Sauré selber liegt im Sterben. Sauré muss abreisen, während sie an diesem
Marcus
00:33:20
arbeitet,
Thomas
00:33:20
Band um den Vater dann noch zu sehen, nach Genf und so weiter. Also es wird jedenfalls nichts aus diesem umfangreich geplanten. Es wird eine viel kleinere Fassung, die 200 irgendwas Seiten hat, also die gute Hälfte. Cotta verlangt dann noch Geld zurück sozusagen von dem Vorschuss,noch nach Goethe's Tod. Ja, weil das eben viel kleiner
Marcus
00:33:44
Ausgebern als Goethe.
Thomas
00:33:45
wurde, diese Ausgabe. Genau. Also mit diesen ganzen Schwierigkeiten im hohen Alter.
Marcus
00:33:51
Haben die zu kämpfen.
Thomas
00:33:53
Wird diese Ausgabe aber trotzdem etwas, nämlich nicht nur diese zweisprachige Ausgabe, sondern auch Texte von Goethe, über die, ich müsste jetzt den genauen Titel eigentlich nachschauen, Und der Verfasser teilt die Geschichte seiner botanischen Studien mit, also etwas, was Goethe schon in anderer und viel kürzerer Form mal veröffentlicht hat, ist dem vorangestellt oder hinten nachgestellt, besser gesagt, dann ein Aufsatz oder ein Beitrag über die Spiraltendenz und noch andere Themen. Also es ist eigentlich ein umfassender Beitrag, wo Goethe noch mal mitmischen möchte, was die Botanik seiner Zeit betrifft. Denn diese Leistung ist auf diese Stolz.
Marcus
00:34:37
Der Text der Metamorphose ist wesentlich anders als in der ersten Variante. Hat er die nochmal?
Thomas
00:34:43
Nein.
Marcus
00:34:43
Die selbe in Französisch und so aktuellere Sachen hat er dann ergänzt.
Thomas
00:34:48
Genau.
Marcus
00:34:48
Zusätzliche Artikel.
Thomas
00:34:51
Genau. Man muss dazu sagen, im Jahr 1829 erscheint unabhängig von Goethe ohnehin schon eine französische Ausgabe,
Marcus
00:35:00
Ja,
Thomas
00:35:01
ungefragt
Marcus
00:35:01
okay.
Thomas
00:35:01
quasi. Kommt also dazwischen, aber davon lassen sie sich ja nicht behindern. Die haben 28 begonnen, das zu planen und zu machen. Ja. Es haben zwar andere, also Humboldt z. B., der ja wirklich Goethe-kritisch war in vielen Dingen, haben die Metamorphose der Pflanze aber geschätzt. Die Geologie bekanntlich nicht und auch Goethes Farbenlehre ja auch nicht, aber die Metamorphose der Pflanze hat Humboldt z. B. sehr geschätzt, als große naturwissenschaftliche Leistung Goethes. Umso erstaunlicher ist, dass die Wirkung dieser Ausgabe dann relativ gering ist, ziemlich bescheiden, eigentlich wird sie nur im Umkreis Goethes und bei befreundeten Baudanikern wahrgenommen und auch positiv rezensiert. Ansonsten eben wenig. 1831 erscheint sie, wenn ich das jetzt richtig im Kopf
Marcus
00:35:54
hier.
Thomas
00:35:54
habe, das
Marcus
00:35:54
Ja,
Thomas
00:35:56
Wir sind ja da schon in den letzten Monaten, im letzten Jahr von Goethes
Marcus
00:36:00
ja.
Thomas
00:36:00
Leben.
Marcus
00:36:01
Was glaubst du, woran das liegt? Ist es vielleicht auch bei Goethe so, dass ein Mann, der mit 80 auf der Höhe der Zeit ist oder einfach in den Kreisen, die dann inzwischen übernommen haben. Also es gibt ja auch immer so auch in Wissenschaftskreisen so Generationen von Wissenschaftlern und jetzt ist eine neue Generation dran, die haben mit Goethe einfach vielleicht nicht mehr so viel zu tun oder so.
Thomas
00:36:30
Ich weiß es nicht genau. Ich denke, dass es so etwas gewesen sein muss. Wenn du ein Werk publizierst, das wäre heute ja noch viel schwieriger, denke ich, da es schon 30 Jahre und noch mehr alt ist, auch wenn du einen großen Namen hast, Fridrich Sauré. Und ich weiß es auch nicht, ob das jetzt große Wirkung entfaltet in den Wissenschaften, kann man ja vielleicht was bezweifeln. Wahrscheinlich geht es in diese Richtung.
Marcus
00:36:57
wurde aus Fridrich Sauré?
Thomas
00:37:01
Fridrich Sauré ging nach dem Tod von Goethe, war er ja noch einige Jahre in Weimar, bis dann Karl Alexander großjährig wurde. Damit war seine Stelle als Erzieher beendet und er ging nach Genf zurück. Er hat dort, Genf ist ja Republik, mitgemischt im politischen Leben, war da sehr engagiert. Es ist eigentlich eine komische Situation. Wir haben einen fast überzeugten Republikaner als Erzieher an einem Fürstenhaus, als Schweizer, ja ohnehin auch den deutschen Verhältnissen, vor allem französischsprachiger Schweizer, er auch ein bisschen fremd gegenübersteht. Umso erstaunlicher ist es, dass das Fürstenhaus selber so einen Mann herangezogen hat, überhaupt. Ziehung.
Marcus
00:37:56
Finde
Thomas
00:37:57
ich erstaunlich, finde ich eigentlich beeindruckend, kann ich fast sagen. Er erklärt vielleicht auch die Liberalität, nicht nur dieses Hauses, sondern auch Soré selber war ja liberaler. Sein Großvater selber, wer Jeremy Bentham übersetzt, gehört auch zu den Liberalen, würde ich sagen. Das ist eine Traditionsreihe, die es in der deutschen politischen Kultur nicht so gibt. Die wird alles links und rechts eingeteilt. Aber diese große Strömung des Liberalismus, wie es es vor allem im Englischen, aber auch im französischsprachigen Bereich gibt, die gibt es hier ja so nicht. Oder könntest du auf Anhieb einen liberalen Philosophen des 18., 19., 20. nennen?
Marcus
00:38:47
Tare nie so viel ein. Mir würde gar keiner einfallen, wahrscheinlich.
Thomas
00:38:52
Vielleicht ist es Wilhelm von Humboldt, ja?
Marcus
00:38:55
Aha.
Thomas
00:38:55
Vielleicht ist es Benjamin
Marcus
00:38:57
Okay.
Thomas
00:38:57
Constant. Also diese Leute gehören dahin. Oder eben die englischen Liberalen, spielt dort eine ganz andere Rolle. Dafür gibt es ja auch nicht einen englischen Sozialismus in dem Punkt. In dem Sinn gibt es jetzt ja auch nicht. Oder nicht so. Vielleicht haben wir da auch Widerspruch bei unseren Hörern, aber die würde das mal so im Vergleich zum Deutschen mal. Das ist, glaube ich, ein wesentlicher Unterschied im politischen Umfeld, im politischen Denken der Zeit. Wenn man den Briefwechsel liest, das Politische spielt ja
Marcus
00:39:30
Rolle.
Thomas
00:39:31
gar keine Ja, wie dem auch sei. Jedenfalls, das ist Soiree. haben eine der großen Leistungen von Soiree noch gar nicht behandelt. Soiree war eben Numismatiker.
Marcus
00:40:09
Aber erst nachher.
Thomas
00:40:12
Aber erst nachher. Und vor allem erst, also die Haupttätigkeit war erst nachher. Spezialisiert war er, das finde ich auch sehr interessant, auf orientalische Numismatik.
Marcus
00:40:22
Wir müssen kurz erklären, was Numismatik ist.
Thomas
00:40:26
Ja, die Münzkunde, also das, ja, würde ich doch wohl so sagen, oder? Das wissenschaftliche Sammeln von Münzen. Sauré hatte selbst eine große Sammlung, die so bedeutend war, dass sie dann nach dem Tod von Sauré angekauft wurde, von Weimar. Dazu muss man sagen, das Fürstenhaus in Weimar und Sauré in Genf, die blieben immer in Verbindung. Noch in den Wochen vor Saurés Tod kam dann der Schüler, Karl Alexander, regierender Fürst bereits, zu Sauré, hat ihn da besucht. Also das heißt, könnte man daraus schließen, war ein guter Lehrer, der einen großen Eindruck gemacht hat.
Marcus
00:41:06
Die haben sie immer wieder gerne gesehen und ...
Thomas
00:41:09
Die haben sich gemocht sozusagen, war Sauré und Willig zu Recht auch stolz drauf. Die Sammlung wurde angekauft, wir waren ja bei den Münzen, ist heute Grundlage für das orientalische Münzkabinett Jena, also eine bedeutende historische Münzsammlung.
Marcus
00:41:25
Wieso eigentlich erst nach dem Tod von Goethe, ich meine, gibt es irgendwie einen konkreten Anlass, warum er angefangen hat, sich um Münzen zu kümmern oder weiß man das?
Thomas
00:41:36
Also man weiß es wahrscheinlich,
Marcus
00:41:38
Okay.
Thomas
00:41:38
ich weiß es nicht so genau. Münzen sind ... Goethe hat ja selber eine Münzsammlung, Münzen und Medaillen.
Marcus
00:41:43
Über die haben wir genau
Thomas
00:41:44
gesprochen. Natürlich nicht, die gehört auch nicht zu meiner
Marcus
00:41:47
Weil?
Thomas
00:41:47
Ägide, weil sie nicht
Marcus
00:41:49
Okay.
Thomas
00:41:49
naturwissenschaftlich ist. Ja, wir sind halt
Marcus
00:41:53
Ja.
Thomas
00:41:53
spezialisiert und warum soll ich was über Dinge erzählen, wo ich nicht firm
Marcus
00:41:59
Lass
Thomas
00:41:59
bin?
Marcus
00:41:59
mich kurz auf den Gedanken bringen, welche Art von Sammlung hat eigentlich Goethe noch außer ... Also, welche Art von Sammlung jenseits der Naturwissenschaft hat er eigentlich noch? Also er hat Münzen gesammelt?
Thomas
00:42:14
also natürlich eine Kunstsammlung, also Gemälde und Grafiken. Das ist eine sehr große Sammlung, 28.000 Objekte. Dann hat Goethe natürlich noch eine Münzen-Medaillen-Sammlung. Also Goethe hat eine Sammlung von Papst-Medaillen, Papst-Porträts zum Beispiel. Aber auch David Danger hat ihm in den letzten Jahren seines Lebens eine Medaillen-Sammlung von Pariser Köpfen quasi geschickt. Wo so die Crème de la Crème der 1820er Jahre in Paris abgebildet ist von einem bedeutenden Künstler. Goethe hat auch Büsten gesammelt. Goethe hat natürlich auch Autografen gesammelt. Hat also Autografen vieler seiner großen Zeitgenossen, von Beethoven abwärts
Marcus
00:43:01
Okay.
Thomas
00:43:02
sozusagen.
Marcus
00:43:02
Autogramme gesammelt? Guck an.
Thomas
00:43:05
Nein, Autografen.
Marcus
00:43:06
Was ist der Unterschied?
Thomas
00:43:07
Na ja, Autogramme ist nur die Unterschrift, aber Autograf ist, was weiß ich, Akten, Briefe, Schriftstücke.
Marcus
00:43:14
Okay, okay.
Thomas
00:43:15
Sind natürlich auch die Autogramme drauf, ja. Er hat natürlich auch Notenautografen gesammelt. Al er hatte Notenhandschriften von Mozart, Beethoven und so weiter. Und wenn der junge Mendelssohn zum Klavierspielen
Marcus
00:43:30
Ja?
Thomas
00:43:30
kommt, dann legt ihm Goethe, das muss ich mir vorstellen,ein Autograf von
Marcus
00:43:35
Ja?
Thomas
00:43:36
Mozart vor, ohne das natürlich Mendelssohn zu sagen, der das aber kennt, weil er so gut ist, am musikalischen Duktus und an der Handschrift und besonders fies, oder von Karl Philipp und Manuel Bach liegt ihm, glaube ich auch. Ich glaube, das war der richtige Bach, wenn ich jetzt genannt habe. Aber eben auch von Beethoven. Und die Beethoven-Autografen sind ganz schwierig zu lesen, bekanntlich, wenn man die mal gesehen hat, weil die Idee sich da in diesem Notenautografen verwirklicht. Und Mendelssohn konnte das vom Blatt abspielen, versteht also den musikalischen Gedanken dahinter und sagt auch, das kann nur Beethoven sein. Solche Dinge hängen an diesen Autografen dran.
Marcus
00:44:18
Das heißt, da sitzt Mendelssohn am Klavier.
Thomas
00:44:21
Genau.
Marcus
00:44:22
Und Goethe gibt ihm ein Blatt mit Noten drauf. Original
Thomas
00:44:26
Ja.
Marcus
00:44:27
von Beethoven.
Thomas
00:44:29
Und von
Marcus
00:44:30
ja.
Thomas
00:44:30
Mozart,
Marcus
00:44:30
Von
Thomas
00:44:31
Und
Marcus
00:44:31
Mozart.
Thomas
00:44:31
von Bach, und
Marcus
00:44:32
Von
Thomas
00:44:32
von Bach, und von
Marcus
00:44:33
Bach,
Thomas
00:44:33
Bach.
Marcus
00:44:33
mein Gott.
Thomas
00:44:35
Ja. Ja. Also, der junge Mendelssohn kommt mit Zelter nach Weimar. So muss man sich das vorstellen. Goethe kauft für diesen Anlass schon vorausblickend, kann man fast sagen, ein Klavier von Streicher. Du weißt, die Streicher war, also der Mann Streicher war ein Freund von Schiller. Die sind gemeinsam geflohen da aus Württemberg. Das ist eine lange Geschichte, gehört zu Schillers Leben. Dieser Andreas Streicher heiratete dann die Nanette, lassen sich in Wien nieder und machen, gründen, das berühmte, berühmtes Institut, wenn man so will, wo die berühmten Streicherklaviere hergestellt sind. Ein solches berühmtes Klavier, das alle gespielt haben, auch Beethoven und so weiter, hat besorgt sich auch Goethe. Dieses Klavier ist erhaltend, das steht immer noch im Wohnhaus. Und als dann Mendelssohn kommt, ich weiß nicht genau, wie alt er war, 10
Marcus
00:45:28
So jung, okay.
Thomas
00:45:30
Der junge Mendelssohn, bereits als Genie da von Zelter unterstützt, Die kommen aus Berlin und das ist natürlich, wird natürlich von Goethe vorbereitet und Mendelssohn zeigt eben, was er kann. Und dann sagt Goethe, aber das kannst du vielleicht nicht spielen und so. Und dann spielt er eben ein Autograph nach dem anderen und dann wird das schwierigste Autograph geholt. Das ist eben das von Beethoven. Also ist es am schicksten zu lesen. Ja, also die Bewunderung ist allgemein, kannst du dir vorstellen.
Marcus
00:46:05
Sozialität auf einem Quadratmeter.
Thomas
00:46:08
Ja, und Mendelssohn stirbt ja auch sozusagen jung, ähnlich wie Mozart.
Marcus
00:46:14
Okay.
Thomas
00:46:14
Ja.
Marcus
00:46:15
Zurück zu Souré.
Thomas
00:46:18
Nein, und zurück zu dem, was
Marcus
00:46:19
So,
Thomas
00:46:19
Goethe
Marcus
00:46:19
genau.
Thomas
00:46:19
noch gesammelt
Marcus
00:46:19
Ja,
Thomas
00:46:19
hat. Wir sind ja dann noch gar nicht
Marcus
00:46:22
noch.
Thomas
00:46:22
lang fertig.
Marcus
00:46:23
Kurze Frage.
Thomas
00:46:24
Ja, mhm.
Marcus
00:46:25
Das heißt, er hat Münzen gesammelt, aber eben nicht numismatisch, weil dann hätte man es ja zur naturwissenschaftlichen Sammlung packen können, oder?
Thomas
00:46:36
Naja, was heißt wissenschaftliche Sammlung? Diese Einteilung, die stammt ja von uns. Also natürlich hat Goethe Schränke, die ausschließlich seiner Münzsammlung vorbehalten sind. Er hat auch Bronsen gesammelt, also antike Bronsen, kleinen Statuen, da sind auch viele Fälschungen darunter, auch was aus der Renaissance und so weiter. Er hat auch Daktilotheken gesammelt, also das sind Abgüsse von, es gibt es Abgüsse von Objekten, die extra für sowas hergestellt werden, wo antike Darstellungen, mythologische Darstellungen für eigene Sammler angelegt werden, um die Motive der Antike weiterzugeben, sozusagen. Kannst du den ganzen, also Daktilos heißt Finger, also das sind winzige, fingerkleine
Marcus
00:47:30
Okay.
Thomas
00:47:30
Objekte, die in eigenen Büchern oder Buchrega, also eine Mischung aus so konvolutartigen Dingen da zusammengetragen werden. Ja, das war ein Hobby des 18. und 17. Jahrhunderts.
Marcus
00:47:47
Ich weiß nicht, wieso mir fallen gerade Panini Bilder ein und im Prinzip
Thomas
00:47:53
sowas.
Marcus
00:47:55
Genau,
Thomas
00:47:55
im Prinzip sowas, nur kleben tun sie nicht und es sind doch keine Fußballer.
Marcus
00:48:00
Ja, jeder hat so seine, in jeder,
Thomas
00:48:02
Ja,
Marcus
00:48:03
seine Hellzeit.
Thomas
00:48:04
genau. Genau, also es sind unendlich viele Sammlungen, auch die Orthografen-Sammlungen sind natürlich, auch wenn das Naturwissenschaftler sind, sind sie natürlich nicht bei mir, sondern die sind im Goethe-Schiller-Archiv.
Marcus
00:48:17
Ach so, ja klar, okay.
Thomas
00:48:18
Goethe war ein großer Sammler von fast allem, also man muss eher, man kann eher angeben, was er nicht gesammelt hat.
Marcus
00:48:25
Er konnte nichts wegwerfen.
Thomas
00:48:27
Genau, wir haben ja auch eine Schädelsammlung, also einer dieser Schädel kommt übrigens auch in dem Briefwechsel von Goethe und Soaree vor. Wahrscheinlich ist es der Schädel von Van Dijk, wo Goethe ganz begeistert...
Marcus
00:48:42
Aber nicht ist, wenn ich mich recht erinnere, oder?
Thomas
00:48:44
Wo Goethe aber nicht ist, wo Goethe ganz begeistert sagt, es ist mir ein wohlerhaltener Schädel zugekommen. Einem vor etwa 200 Jahren bedeutenden Mann soll er angehört haben, also Goethe glaubt das selber nicht. Wahrscheinlich ist es Van Dijk, es wird im Brief jetzt nicht erwähnt, aber der kommt ja im 1830 und Goethe berichtet stolz. Es ist ein sehr schöner Schädel nach Geils Lehre und sonstigen, von mir geprüften physiologischen Grundsätzen, gar ausdrücklich und zusagend. Und dieser Schädel wäre, damit versucht Goethe, Soaree wieder ins Haus zu locken, eine angenehme Vergleichung und Unterhaltung würde der veranlassen. Also über sowas hat man sich unterhalten im Haus Goethes, über diese Sammlungen und eben mit einem Mann der Naturwissenschaften wie Soaree, ebe auch über Schädel. Und das macht eben das interessant, den Briefwechsel zu lesen, weil viele dieser Details da vorkommen. Und Goethe äußert sich da in den Briefwechsel auch über die Natur, wie er sich die Natur vorstellt, wenn Bücher kommen und geologische Bücher, die er mit Soaree bespricht. Zum Beispiel, als ein Buch über die Lagerstätten von Gold und Platin im Oralgebirge ankommt, da ist Goethe ganz begeistert davon. sagt, das ist von Moritz von Engelhardt, das Buch, und die Erklärungen, die dieser Geologie gibt, in seinen ganzen Erklärungen, ist nicht das mindeste Gewaltsame, sondern man sieht die Natur, wie sie still wirkt und wie
Marcus
00:50:17
Und
Thomas
00:50:17
ich sie liebe. Also diese Idee, dass der neptonistischen Weltordnung, wo es keine oder wenig Katastrophen gibt, das schätzt Goethe auch bei anderen.
Marcus
00:50:51
hast gesagt, von den Briefen zu Res, oder wenig erhalten, aber hat sich Soree auch zum literarischen Werk irgendwie geäußert? Oder ist es ein reines, oder ist es eher so, dass Goethe froh war, dass er jemanden hat, mit dem er eben über seine ganzen wissenschaftlichen Dinge sprechen konnte und deswegen hat er mit ihm wahrscheinlich gar nicht über die...
Thomas
00:51:12
Also Goethe hat natürlich viele Leute gehabt, mit denen er wissenschaftlich
Marcus
00:51:15
hat,
Thomas
00:51:15
gesprochen die Gestallografie und Mineralogie war natürlich so zu sagen, Soree war ja immer da, ne? Also immer in Wallmar, was ja nicht alle anderen, also Trebra, Werner, die waren ja, Sternberg, die waren ja höchstens zu Besuch hier. Also bei Trebra sind es zum Teil, der war am Anfang in Wallmar. Wenn wir was über Literatur wissen wollen, müssen wir eben zu diesem Buch Zehn Jahre bei Goethe von Soree schauen und das ist so umfangreich. Da finden wir sehr, sehr viel davon. Das ist vielleicht ein schöner Abschluss, wenn wir jetzt über Soree nachdenken. Da gibt es natürlich vieles zur Politik, zum Alltag, zum Leben am Hof, aber auch zur Literatur. Wenn wir uns anschauen, Goethe schreibt ja da gerade am zweiten Teil des Faust, als Soree kommt, er schreibt am Wilhelm Meis das Wanderjahn, bevor er dann sich nochmal den Naturwissenschaften zuwendet. Viele berühmte Zitate aus dem zweiten Teil des Faust finden sich in ganz anderer Form oder in ähnlicher, verwandter Form oder irgendwie dazwischen wieder in den Gesprächen mit so. Zum Beispiel dieses schöne Zitat, als meine Lieblingszitate aus Faust 2, Den liebe ich, der Unmögliches begehrt. Das ist diese Szene, wo Faust zu Hieron kommt und sagt, er möchte Helena kennenlernen, die schönste Frau der Welt, die schönste Frau aller Zeiten, die auf dem Rücken des Kentauren ja geritten ist. Und der Kentaur versucht, ihm das irgendwie möglich zu machen. Das geht aber nur mit einer Seherin, mit Hilfe einer Seherin. Und die sagt dann, als sie das hört, dass er Helena kennenlernen möchte, den liebe ich, der Unmögliches begehrt. Und das findet sich eben bei Soiré wieder, wo Soiré Goethe zitiert, 1823, es hat Goethe am 22. Dezember 1823 gesagt, man muss Unmögliches begehren, um das Mögliche zu erreichen, lauteten seine Worte. Und der Zusammenhang ist aber ein ganz anderer, nämlich es geht um Banknotenfälschungen in Genf oder in Böhmen. Und dass man in der Kalligrafie sehr gut sein muss, um solche Fälschungen dann machen zu können. Und in dem Zusammenhang ist das Unmögliche, das begehrt wird und das Mögliche erreicht wird. Und so gibt es ganz viele Beziehungen zur Literatur, die aber manchmal auch unterirdisch
Marcus
00:53:46
Unterirdisch jetzt im Sinne von?
Thomas
00:53:48
Das heißt, dass sie nicht klar ersichtlich sind, dass man das 1 zu 1, weil wer denkt denn, wenn er das jetzt liest, sofort an Faust 2, weiß ich nicht. Goethe äußert sich aber sehr viele, auch private Dinge. Das finde ich auch faszinierend. Zum Beispiel über den Tod. Goethe hatte ein sehr ambivalentes, seltsames. Wir machen da mal eine eigene Folge dazu. Aber Goethe 18,30 überliefert eben Soiree einen Ausspruch von Goethe über den Tod, wo zu Soiree sagt, da haben sie recht, antwortete Goethe, und solange es Tag ist, werden wir kämpfen. Solange man schafft, hält man stand. Aber es kommt die Nacht, die lange Nacht, wo niemand mehr wirken kann. Also der Tod ist die lange Nacht und das Lebendigsein heißt wirken, arbeiten, schaffen, was tun. Das ist eine Form des Standhaltens.
Marcus
00:54:46
Und der Mann ist 80.
Thomas
00:54:48
Und der Mann ist über 80 bereits und möchte das auch bis zu dem, was er die unbestimmte Stunde nennt, hat er vor, das zu tun. Ja, und von Soiree stammt auch der berühmte Ausspruch, oder vielleicht ist er gar nicht so berühmt, aber vielleicht sollte er auch berühmter sein, ich weiß es nicht, wo Goethe dann resümiert, was seine Lebensleistung ist und wo er das alles her hat und wie er das alles geschafft hat. Und Goethe kommt ja, wird uns manchmal als Genie präsentiert, auch dieser Geniebegriff, der stammt ja auch von ihm, oder stammt nicht von ihm, aber der hat ihn ja maßgeblich befördert, dass der Einzelne groß auf so vielen Gebieten etwas schafft und Goethe relativiert das aber selbst. in dem er eben sich selber als Kollektivwesen bezeichnet. Ich lese das mal vor, wie das bei Soiré heißt, auch Französisch, aber in der deutschen Übersetzung, wo Goethe sich fragt, was bin denn ich selbst, was habe ich denn gemacht? Dann kommt das Resümee. Ich sammelte und benutzte alles, was mir vor Augen, vor Ohren, vor die Sinne kam. Zu meinen Werken haben tausende von Einzelwesen das Irrige beigetragen, Toren und Weise, geistreiche Leute und Dummköpfe, Kinder, Männer und Kreise, sie alle kamen und brachten mir ihre Gedanken, ihr Können, ihre Erfahrungen, ihr Leben und ihr Sein. So erntete ich oft, was andere gesät. Mein Lebenswerk ist das eines Kollektivwesens und dieses Werk trägt den Namen Goethe.
Marcus
00:56:28
Schön! Ist
Thomas
00:56:30
doch ein schönes, tolles Zitat, das eine Absage ist an diese, an der Genie, sondern er ist eben der Sammelpunkt, der Brennpunkt, der das alles natürlich dann verbindet. Man darf es jetzt nicht ganz eins zu eins,
Marcus
00:56:45
Kollektivwesen,
Thomas
00:56:48
ja, weil die Stelle geht weiter, ja. Ein solches Kollektivwesen war seiner Art nach auch Mirabeau, er war der geniale Redner, geniale Sammler, geniale Beobachter und so weiter, ja. Und er fand aus der Masse die fähigen Köpfe heraus. Das heißt, Goethe spricht da in diesem Zusammenhang schon von besonderen Menschen, von Menschen, die eben in der Lage sind, das alles zu sammeln, ja. Also er vielleicht, Mirabeau, aber kann auch nicht jeder, ja. Bei Mirabeau haben wir wieder den Rückkehrschluss an Sauré. Und das ist wahrscheinlich kein Zufall, dass Goethe hier bewusst Mirabeau erwähnt, denn er wusste natürlich, dass der Großvater von Sauré, der bereits erwähnte Edienne Dumont, der Sekretär von Mirabeau war. Also das heißt, das Kollektivwesen ist ein Wesen, das im Zentrum steht, aber im Zentrum eben von ganz vielen anderen, die beigetragen haben.
Marcus
00:57:50
Also ich finde es ja schön,
Thomas
00:57:51
Das
Marcus
00:57:51
genau.
Thomas
00:57:51
macht es dir da toll, ja. Schön,
Marcus
00:57:52
dass er eben einfach tatsächlich einfach klar macht, ohne das, was alle anderen ihm gebracht, geschickt, gebracht und geschickt haben, wäre seine Sammlung, wäre seine Forschung nie möglich gewesen. Aber es braucht halt dann tatsächlich eine Person, die es dann auch schafft, daraus Schlüsse zu ziehen, Ordnung herzustellen, Netzwerke zu erstellen, Schlüsse zu ziehen und Dinge zu verstehen, Muster zu erkennen. Und das ist wahrscheinlich dann einfach auch seine Kunst, wo er groß war.
Thomas
00:58:32
Es ist seine Kunst, aber auch sein Antrieb und seine Leistung und seine Fähigkeit. Und deswegen kann man dieses Etri-Kollektiv, wie das ja im Original heißt, dieses Kollektivwesen, kann man wirklich subsummieren unter diesem Namen Goethe, wo eben ganz viele andere auch mitgearbeitet haben.
Marcus
00:58:50
Schön, aber ich habe ja noch nie so. Goethe als Kollektivwesen, das ist auch mal ein Gedanke. Fein.
Thomas
00:59:02
Ja. Vielleicht ist das ein schöner Abschluss.
Marcus
00:59:06
Ja, das war Frederic Soré. Das war Folge 23 des Goethe-Podcasts Natur und Geist mit Thomas Schmuck und Marcus Anhäuser. Alle Infos zur Folge findet ihr wie immer in den Infos zur Folge. Wenn ihr Fragen, Anmerkungen, Lob oder Kritik habt, könnt ihr das gerne in den Kommentaren auf der Podcastseite bei Spotify oder Apple Podcast loswerden. Wenn euch der Podcast gefallen hat, hinterlasst uns gerne ein paar Sterne. Das hilft uns beim Algorithmus und wir werden bekannter. Wir hoffen natürlich, dass es euch auch gefallen hat und freuen uns, wenn ihr das nächste Mal wieder mit dabei seid. Und wie gesagt, wenn ihr den Podcast fördern oder unterstützen wollt, folgt einfach den Links in den Shownotes. Da geht's zu Steady oder der RiffReporter Seite. Und das war's für diese Folge. Macht's gut, bis zum nächsten Mal.

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