Goethe und das Meer
Goethe ist auf dem Titel einer aktuellen Zeitschrift.
11.10.2026 43 min
Zusammenfassung & Show Notes
In Folge 25 sprechen Marcus und Thomas über Goethe und das Meer. Anlass ist eine Ausgabe der Zeitschrift mare, die sich diesem Thema mit einer Titelgeschichte und einem Interview widmet und auch Objekte aus Goethes naturwissenschaftlicher Sammlung zeigt.
Obwohl Goethe viel unterwegs war, kannte er nur das Mittelmeer. Während seiner Italienreise von 1786 bis 1788 fuhr er von Sizilien zurück nach Neapel und erlebte eine bedrohliche Situation: Wegen Windstille wurde das Schiff in Richtung Küste getrieben. Das Meer beeindruckte Goethe nicht nur durch solche Erfahrungen, sondern auch durch seine Tierwelt. Bei Strandspaziergängen und auf Fischmärkten entdeckte er zahlreiche Lebewesen, die sein naturwissenschaftliches Interesse weckten.
In Goethes Sammlung finden sich entsprechend viele Objekte aus dem Meer: Krebse, Schnecken, Muscheln, Seesterne, Seeigel und Meeresfische. Einige Stücke stammen möglicherweise von seinen Reisen, andere wurden ihm geschenkt, etwa von der jungen Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimer Eisenach. Darunter sind tropische Meeresschnecken, Algen von weit entfernten Küsten und ein Stück Schiffsholz, das von Bohrmuscheln zerfressen wurde. Woher viele dieser Objekte genau kamen und wer sie Goethe übergab, lässt sich heute allerdings nicht mehr feststellen. Einen systematischen Katalog seiner Sammlungen legte Goethe selbst nicht an.
Auch in seinem literarischen Werk spielt das Meer eine Rolle. In „Faust II“ erscheint es einerseits als Schauplatz mythologischer Vorgänge, andererseits als Naturgewalt, die Faust durch den Bau von Dämmen zurückdrängen will. Thomas und Marcus beleuchten außerdem Goethes Neptunismus, seine Vorstellung, dass die Erde ursprünglich von einem Ur-Ozean bedeckt gewesen sei und Gesteine aus diesem Wasser entstanden seien.
Besonders ausführlich widmen sich die beiden den Gedichten „Meeresstille“ und „Glückliche Fahrt“. Sie gehören zusammen und schildern den Übergang von tödlicher Windstille zu einer glücklichen Wendung, als der Wind wieder einsetzt. Damit setzt Goethe seine Reiseerfahrungen während der Rückfahrt von Sizilien nach Neapel in lyrische Form um. In der Zeitschrift mare ist Thomas mit einem Interview vertreten, Anlass für die Titelgeschichte, war eine kleine Meeres-Ausstellung im Goethe-Haus.
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Obwohl Goethe viel unterwegs war, kannte er nur das Mittelmeer. Während seiner Italienreise von 1786 bis 1788 fuhr er von Sizilien zurück nach Neapel und erlebte eine bedrohliche Situation: Wegen Windstille wurde das Schiff in Richtung Küste getrieben. Das Meer beeindruckte Goethe nicht nur durch solche Erfahrungen, sondern auch durch seine Tierwelt. Bei Strandspaziergängen und auf Fischmärkten entdeckte er zahlreiche Lebewesen, die sein naturwissenschaftliches Interesse weckten.
In Goethes Sammlung finden sich entsprechend viele Objekte aus dem Meer: Krebse, Schnecken, Muscheln, Seesterne, Seeigel und Meeresfische. Einige Stücke stammen möglicherweise von seinen Reisen, andere wurden ihm geschenkt, etwa von der jungen Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimer Eisenach. Darunter sind tropische Meeresschnecken, Algen von weit entfernten Küsten und ein Stück Schiffsholz, das von Bohrmuscheln zerfressen wurde. Woher viele dieser Objekte genau kamen und wer sie Goethe übergab, lässt sich heute allerdings nicht mehr feststellen. Einen systematischen Katalog seiner Sammlungen legte Goethe selbst nicht an.
Auch in seinem literarischen Werk spielt das Meer eine Rolle. In „Faust II“ erscheint es einerseits als Schauplatz mythologischer Vorgänge, andererseits als Naturgewalt, die Faust durch den Bau von Dämmen zurückdrängen will. Thomas und Marcus beleuchten außerdem Goethes Neptunismus, seine Vorstellung, dass die Erde ursprünglich von einem Ur-Ozean bedeckt gewesen sei und Gesteine aus diesem Wasser entstanden seien.
Besonders ausführlich widmen sich die beiden den Gedichten „Meeresstille“ und „Glückliche Fahrt“. Sie gehören zusammen und schildern den Übergang von tödlicher Windstille zu einer glücklichen Wendung, als der Wind wieder einsetzt. Damit setzt Goethe seine Reiseerfahrungen während der Rückfahrt von Sizilien nach Neapel in lyrische Form um. In der Zeitschrift mare ist Thomas mit einem Interview vertreten, Anlass für die Titelgeschichte, war eine kleine Meeres-Ausstellung im Goethe-Haus.
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Links (mainly Wikipedia)
- Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach
- Johann Christian Schuchardt
- Margrit Wyder (Kurzbio auf der mare-Seite)
weitere Informationen:
- Thomas Schmuck: Anschauung der Erde. Goethes geowissenschaftliches Arbeiten und Sammeln. Verlag Sandstein Kultur, 2026
- mare-Ausgabe 178, Webseite der Ausgabe
- Margrit Wyder, Helmut Hahn (Hrsgb.): Bewegliche Ordnung, Goethes Naturforschung, Wallstein Verlag, 2026
- Goethes Laboratorium, Dauerausstellung der Friedrich-Schiller-Universität Jena zu Goethes Naturforschung im alten Inspektorhaus des Botanischen Gartens, kuriert von Margrit Wyder und Helmut Hühn.
Musik diesmal keine, dafür Meeresrauschen und Möwengeschrei.
Idee, Technik und Produktion: Marcus Anhäuser
Podcast-Tipp: Ausgesuchte Wissen(schaft)sPodcasts gibts auf Wisspod.de
Marcus auf
Idee, Technik und Produktion: Marcus Anhäuser
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Marcus auf
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Thomas bei der Klassik Stiftung in Weimar.
Marcus bei Riffreporter.
Weitere Podcasts von/mit Marcus Anhäuser:
- RiffReporter Podcast - tiefer eintauchen in die Themen
- IGeL-Podcast – Der Gesundheits-Podcast des IGeL-Monitors
- BücherRausch – der Podcast der Städtischen Bibliotheken Dresden
Das Transkript wurde automatisch erstellt und enthält wahrscheinlich Fehler. Die Zusammenfassung wurde auch mit Hilfe von KI erstellt, aber überarbeitet.
Transkript
Quatschen
da im Hintergrund Leute?
Ja, das sind die Bauarbeiter.
Das gehört alles dazu. Manchmal sitzt man als Wissenschaftshistoriker auch mitten in der Baustelle.
Da sind wir wieder. Folge 25. Nennen wir es ein kleines Jubiläum. Einzigartige Goethe-Podcast Natur und Geist.
Wissenschaftshistoriker Dr. Thomas Wissenschaft und Wissenschaftsjournalist, Marcus Anhäuser. Das bin ich.
Beim letzten Mal haben wir das neue Buch von Thomas vorgestellt über Goethes geologische Sammlung. Diesmal nehmen wir
eine Zeitschrift zum Anlass für Auf dem Episoden-Cover habt ihr schon gesehen und was. Wir vertiefen ein wenig Goethes
Verhältnis.
Wo es losgeht, noch ein kurzer Hinweis für die, die uns unterstützen oder fördern wollen. Wir machen das ja hier...
Offizieller Podcast der Klassik-St Folgt einfach den Links in den Shownotes zur Steady-Seite oder zur Refre. Jetzt viel
Spaß beim Zuhören. Wir tauchen
Frage. An welchen Meeren warst du schon mal im
Ich.
Laufe? Ja, du.
Du, also, ja, im Pazifik, im Indischen Ozean.
Aha.
Atlantik natürlich. In der Karibik.
Aha.
Mittelmeer.
Aha.
Ostsee.
Aha.
Balti. Also, Baltisches Meer.
Aha.
Wo, eigentlich
Und See?
schon. Ja, war ich auch. Ärmelkanal.
Aha.
Hm.
Also, eigentlich? Also, an allen großen, wichtigen.
Schwarzes Meer. Okay.
Okay.
Meer war ich
auch.
natürlich
Aha. Wo warst du denn am Pazifik?
Ja, in Lima zum Beispiel.
Ja.
Oder... Mexiko.
Ah. Okay.
Ecuador.
Da kann ich nicht mithalten. Ich habe nur...
Diel.
Aha. Ich habe nur Ostsee, Nordsee,
Hm.
Mittelmeer, Atlantik.
Hm.
Südatlantik zumindest mal noch.
Da war ich noch nicht, siehst du.
Aber
Also,
am...
na doch, das stimmt gar nicht. Ich war sogar in Brasilien mal schnorcheln.
Ah, guck.
Also, zählt vielleicht auch, oder?
Ja. Okay.
Gut, weil heute geht es um Goethe und das Meer. Das hat einen konkreten Anlass, weil es wird, für Leute, die die
Zeitschrift kennen, es gibt die Zeitschrift Mare, die sich ja ums Meer und allem drum herum kümmert. Seit vielen Jahren
gibt es die und...
Und einen Verlag dazu.
Und es gibt den Verlag, genau. Und, ähm,
Tolle Bücher über das Meer, sozusagen.
genau. Die Das Meer zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. Und es kommt jetzt im Oktober die neue Ausgabe raus und da hast du
ein Interview und es geht um Goethe und das Meer? Oder wie war
Ja, das ist ein, quasi ein Themenheft, wenn man so
das?
will. Es gibt ja immer
Mhm.
ein Hauptthema. Und diesmal ist das Hauptthema Goethe und das Meer. Da hat Margit Wider, eine Schweizer
Goethe-Forscherin, einen schönen, interessanten Aufsatz dazu geschrieben. Und unsere Sammlung, also Goethe-Sammlung zum
Meer, ist da bebildert, vertreten. Nicht vollständig natürlich, weil die Sammlung ist doch recht umfangreich.
Mhm.
Es ist erstaunlich, wie viele Objekte aus dem Meer Goethe da hatte.
Achso.
Ja, mit sehr schönen Bildern von Profis gemacht, dem Ehepaar Koch, das ist auch schon schöne Bildbände vorgelegt
Ja,
hat.
also eine richtige Zeitschriftenproduktion, im klassischen Sinne, wie es kaum noch gibt, oder?
Genau, genau.
Die so ein bisschen aus der Mode gekommen sind, weil alle nur noch online hängen.
Genau.
Also es wird dann ein richtig gedrucktes Magazin geben, das kann man ja überall erstehen, in jedem Bahnhofs-Kiosk und
man kann es auch bestellen und abonnieren und alles.
Genau. Mario scheint ja alle zwei Monate gibt es ein neues Heft.
Ja.
Zum Thema Meer.
Und die Folge wird dann erscheinen eben
Oktober,
irgendwann.
November.
Genau, Oktober, November in der Zeit, parallel zu dem Heft. Das ist jetzt nicht abgesprochen, wir haben einfach die
Gelegenheit genutzt und dachten uns, lass uns doch mal annähern, was Goethe mit dem Meer zu tun hat. Der hat in Weimar
gelebt, da ist jedes Meer relativ weit weg.
Auch von Frankfurt aus sozusagen.
Auch von Frankfurt, genau, was auch wieder war.
An welchen Meeren war denn Goethe?
Ja, und wenn man darüber nachdenkt, dann kommt man drauf, dass er eigentlich an nichts so viel mehr war. Goethe kannte
nur das Mittelmeer.
Nicht mal die Ostsee?
Nö.
Ich denke irgendwie auch Weimar, Ostdeutschland, die waren alle immer an der Ostsee, aber das ist halt mehr. Andere
Zeiten. Okay.
Nein, Goethe war nie an der Ostsee.
Also okay, nur am Mittelmeer, während seiner Italienreise, nämlich.
Genau, genau. Also zwei Italienreisen. Die zweite war ja eine kurze Reise mit Venedig im Mittelpunkt. Goethe kannte die
Adria, das Tyrrhenische Meer, also diese Teilmeere des Mittelmeers. Waren hier an der Nord- und Ostsee auch keine Ozeane.
Es ist ja ein bisschen ein Mythos, dass Goethe weit gereist ist. Das nördlichste ist Berlin, wenn man es genau nimmt.
Das war noch in Südpolen und in Frankreich, war er ebenfalls ja nur. In Ostfrankreich, Italien. Das war seine größte
Reise. Goethe war viel unterwegs, das stimmt, aber das hat sich dann doch auf Mitteleuropa beschränkt. Böhmen, die
Schweiz und so weiter und eben Italien.
Okay,
und er war während seiner Italienreise da und wo jetzt? Man weiß wahrscheinlich genau, wo er dann war.
Na ja, die größte Reise war natürlich die Überfahrt nach Sizilien von Neapel aus und auch die Rückfahrt, die ja
dann noch mit Gefahren verbunden war, weil es dann Windstile gegeben hat und man gegen Land getrieben ist und so weiter.
Das waren die längsten Meerpassagen und an der Südküste hat Goethe sozusagen rüber gesehen Richtung Afrika. Das war
sozusagen der weiteste südlichste Station und der weiteste Blick in den Süden aus Europa hinaus. Ansonsten spielt das
Meer zwar eine Rolle in der Faust und in der Literatur und natürlich auch in den Naturwissenschaften, auch in der
Geologie mit dem Ur-Ocean. Goethe war Neptunist, da spielt das Meer eine Rolle.
Ja, ansonsten gibt es sicher Schriftsteller, Dichter, Naturforscher, die viel weiter geheißen sind.
Das war eine richtige Landratte, im wahrsten
Ja,
Sinne.
ich habe jetzt unlängst, hatten wir es im Gespräch, dass Goethe eigentlich ein Stubenhocker war.
Stubenhocker sogar?
Würde ich jetzt auch nicht so Gras formulieren, aber im Vergleich zu Georg Forster oder Alexander von Humboldt.
Okay.
Oder sogar Wilhelm von Humboldt war Goethe weniger weit gereist, kann man
sagen.
glaube ich
Ja.
Das sind natürlich Ausnahmen, also sind Ausnahmen, ja, es gab nicht viele, die so weit gereist sind. Also wenn man sich
anschaut, Schaubau oder Höllerlin, auch Schiller, waren nicht so weit gereist, wahrscheinlich wie Goethe. Aber bereits
Herder kann da mithalten,
Okay.
auch wenn der nicht gerne nach Italien gefahren ist.
Ja, ja. Und ist denn irgendwas überliefert, wie ihn denn das Meer beeindruckt oder nicht beeindruckt hat? Vor allem,
wenn er nie sonst an dem Meer war, dann sollte das doch irgendeinen Eindruck hinterlassen haben.
Das Meer hat ihn, das Meer hat ihn ziemlich beeindruckt und auch diese Strandspaziergänge, die das Zurückweichen, das
ist im Mittelmeer nicht so ausgeprägt, aber es gibt es eben doch das Zurückweichen des Wassers bei Ebbe, das Freilegen
da von Küstenteilen, das Beobachten der Tiere, Pflanzenwelt, aber vor allem der Tierwelt dort.
Ja.
Der Besuch von Fischmärkten in Italien.
Okay, ja.
Das ist was Beeindruckendes. Also diese ganzen, vor allem wirbellosen Tiere, die dann da gefangen und erhascht werden,
glaube ich, so nennt er das. Das hat ihn sehr beeindruckt.
Ja, so nen Fischmarkt, so nen Fischmarkt, den stelle ich mir extrem beeindruckend vor, weil es dann doch nochmal so eine
komplett andere Lebenswelt ist.
Genau.
Und da kriegt man sie geballt präsentiert, so auf dem Teller sozusagen.
Genau. Du kannst das mitnehmen und studieren, das ist doch beeindruckend.
Ja, eigentlich.
Bei jedem Zoologen ein wichtiger Ort, der sich begibt, wenn man da heißt.
Ja. waren auf Sizilien, kann es sein, da gibt es dann auch einen Wanderweg, der nach Güte benannt ist oder
Wir
so. Das gibt es, glaube ich, öfter mal, wo er irgendwo war.
Ja,
diese Spuren gibt es ja.
Ja. Okay.
Du sagtest Faust 2, wo taucht das Meer da, in welchem Zusammenhang auf?
Naja, in zwei Zusammenhängen, nämlich zum einen in der klassischen Walpurgisnacht. Das spielt ja zum Teil amegäischen
Meer und der Homunculus vereint sich ja dann, der ja nicht zu Leben, aber zu Körperlichkeit kommen möchte.
Ja.
Und wenn einer Glas-Viole
Ja.
hausen kann oder leben kann als Der reines Geistmenschlein, der vereinigt sich ja dann mit Galatea oder mit dem
Muscheldron Galateas und löst sich im Meer auf, nachdem vorher da diskutiert hat mit Thales und Alexi Manta, also dem
Thales, dem Philosophen des Meeres, wenn man so will, des Wassers, und mit Begegnung mit Nährhäus und Brothäus, die
es in Gottheiten hat, die entweder im Meer selber leben oder am Meerestrand und sich in alles mögliche verwandeln
können. Also das ist ein ganz wichtiger Punkt. Und dann natürlich im letzten Akt des Faust, wir reden immer von Faust
2, Faust 1 ist ja eine spätmittelalterliche Welt in einer gotischen Stadt im Wesentlichen und spielt im Norden. Und in
Faust 2 eben, im letzten Akt, wo nach Krieg und Geschäft und Antike und das letzte große Thema angesprochen wird,
nämlich die Bezwingung der Natur, wenn man so will, Die Gewinnung von Land aus dem Meer, wo Faust bei dem Ampel liegt,
da immer wieder anrollenden Wellen gegen das Ufer, diese für ihn sinnlos genutzte Kraft des Meeres zurückdrängen und
ausnutzen will und Dämme bauen lässt, sich dabei schuldig macht. Mit Philemon und Baukiss, mit der Ermordung der quasi
irrtümlichen oder jedenfalls in Kauf genommenen und das wischt er, obwohl er es ablehnt, letztlich dann weg, dass die
beiden Alten da verbrennen in ihrer Hütte, weil er den freien Ausblick auf das Meer und auf die Arbeiten am Meer haben
möchte. Und diese Dammbauten, die sind letztlich ja zum Scheitern verurteilt, weil das Meer sich das alles wieder
zurückholt. Ja, also da ist das Meer eine Metapher der unbezwingbaren Natur, ähnlich wie da zuvor, vielleicht das
Hochgebirge.
Jetzt war ja Goethe auch ein Neptunist.
Die Kraft des Wassers und das Meer, gibt es da irgendwelche Zusammenhänge, Erklärungen, Texte?
Na ja, es gibt die, wir sind ja öfter schon darauf eingegangen, die Diskussion der Weltentstehung, a ich meine damit,
mit Welt meine ich jetzt die Erde, der Erdentstehung.
Ja.
Wo es prinzipiell zwei große Möglichkeiten gibt, in Wirklichkeit ist es viel differenzierter und ausformulierter und
komplizierter, so muss man sagen. Aus Feuer oder aus Wasser.
Tatsächlich
ist das Modell, wo das Wasser das Bestimmende ist, besteht darin, dass die Erde ursprünglich von komplett mit Wasser,
wahrscheinlich komplett mit Wasser bedeckt war. Ur-Inseln, wo es im Ur-Ozean am Anfang der Dinge stand und aus diesem
Ur-Ozean dann beim Zurückfallen, beim Sinken dieses Wasserspiegels dann die ersten Inseln aufgetaucht sind und
gleichzeitig aus dem Ur-Ozean, in welcher Form auch immer, die Gesteine schichtenweise abgesondert, sedimentiert haben.
Ja.
Es muss eine andere, ursprünglich vielleicht eine andere Form der Sedimination gewesen sein, nämlich vielleicht auch
eine Kristallisation, hat sich Goethe da vorgestellt. Jedenfalls bekanntlich der Granit, das älteste dieser
Schichtgesteine, vielleicht auch das, was den Kern ausmacht, der Erde.
Aha.
Und dieser Ur-Ozean geht immer weiter zurück und wird auch noch weiter zurückgehen, in Zukunft höchstwahrscheinlich.
Das hat Goethe vermutet oder darüber nachgedacht. Andere haben das sogar versucht zu messen, wie Karl von Linné, der
den Rückzug des Meeresspiegels in Schweden ja sozusagen auch zeigen konnte, dass das Meer wirklich da zurückweicht.
Aha.
Das baltische Schild hat sich da gehoben, das konnte er natürlich nicht so überblicken. Ja, die Frage ist, ähnlich
wie wir heute sozusagen interpolieren beim Kosmos, das alles mal in einem Punkt angefangen haben muss. So hat man hier
eben das Zurückweichen der Meereslinie interpoliert, dass es eben früher größer gewesen sein muss. Und die ganzen
Muscheln im Hochgebirge haben das ja bestätigt, dass da früher, quasi bestätigt, dass da früher mal ein Meer gewesen
sein muss.
Linné, also Wiener nachgewiesen? Auch mit Muscheln? Linné
hat das historisch nachweisen können, dass die Küstenlinie, dass das Meer früher in Schweden eben... Mehr Platz
eingenommen hat und dass das jetzt im Land dazukommt langsam im Laufe der Jahrhunderte.
Aber woran hat er das festgemacht, wenn ich frage?
An Quellen, dass eben man gesagt hat, früher hat das Meer bis hierher gereicht und heute ist
Ah,
diese Bucht
so.
zugewachsen.
Ja, okay,
Ja, okay,
ja.
kommen.
Ja, okay, gut, gut.
Was gibt es denn jetzt in der Sammlung mit einer Verbindung zu Meer? Was hat Goethe da, was hat er, wahrscheinlich hat
er da nicht allzu viel selber gesammelt und hat viel mehr geschickt bekommen oder hat er vom Mittelmeer einiges
mitgenommen?
Er hat einiges mitgenommen, das ist interessant. Wir haben da größere Krebse, die er anscheinend wirklich mitgenommen
hat.
Mhm,
Sogenannte Seespinnen, das
oh ja.
sind Krebse, die man essen kann und ich stelle mir immer vor, aber wir wissen es natürlich nicht, weil es ist nicht
quellmäßig belegt. Ich stelle mir immer vor, dass er das quasi vom Mittagsmal mitgenommen hat oder wirklich vom
Fischmarkt, wo man diese Seespinnen ja auch kaufen kann und dann nachher grillen kann oder sonst wie zubereiten. Und da
haben wir einige da, sind recht fragile Gebilde, auch wenn die größte, naja, mindestens 20 Zentimeter Durchmesser hat.
Es sind sehr viele Krebse da, erstaunlicherweise. Auch Süßwasser-Krebse, aber eben nicht nur. Und ganz viele Schnecken
und Muscheln.
Aha.
Tropische Meeresschnecken, die kommen in verschiedenen Lieferungen, wahrscheinlich über Prinzessin Auguste von
Sachsen-Weimer Eisenach, die da ganz jung ihm da schon was geschenkt hat.
Mhm.
sind auch natürlich Süßwasser-Muscheln, aber sehr viele Meeresmuscheln dabei. Eben auch aus den Dingen, wo man sich
wundert, wo die überhaupt herkommen, aus
Ja.
dem Pazifik,
Es
Indischen Ozean.
Wenig Stachelhäuter, aber doch welche. Also zum Beispiel dieses wunderschöne Medusenhaupt oder Gorgonenhaupt. Das ist
so ein Schlangenstern, der in einem Holzkistchen mit Grasdeckel da drinnen liegt und der wirklich jugendstilartig da
seine Arme da ausbreitet.
Ja.
Sich verzweigen.
Ah.
Es gibt auch, ja, so Seesterne und Seeigeln, Gehäuse sozusagen und ja, eine ganze Reihe auch von Meeresfischen.
Aha.
Als Gelette, also Butte zum Beispiel, Seepferdchen, das so, was man so als Mitbringsel ansehen würde
Ja.
wahrscheinlich.
Vom
Strand, wenn man das Glück hat, was zu finden.
Die hat er selber gefunden oder hat er geschickt?
Das wissen wir alles nicht.
Okay. Ja.
Werden wir wahrscheinlich auch nicht jemals herausfinden können, weil in den Quellen steht meistens, wenn überhaupt
was drin steht, hat Siegetier mitgebracht oder Muscheln, Goethe geschenkt. Es wird ja auch noch ganz wenig zwischen
Muscheln und Schnecken unterschieden und ähnlichen.
Aha.
Also zoologisch ist das alles uneindeutig. Also müssen wir uns da begnügen, das zwar bestimmen zu können, aber wir
kennen weder die Fundorte noch die genauen überbringt. Ja. Nur, dass eben wirklich viel da ist. Das ist erstaunlich.
Kurz mal zu der Prinzessin, die ihm
Mmh.
was. Erzähl mal, das war die Tochter vom Herzog,
Genau.
oder?
Genau.
Okay. Und sie war, weißt du, wo sie ...
Wo sie das
...
her hatte? Nein, das
Ja, wo ...
Wissen wir nicht und weiß ich auch nicht. Die wurde hier ja aufgezogen und ging dann nach Berlin, hat dann den
Brunpenzen später her im König von Beuysen geheiratet.
Aha.
Verliert sich dann sozusagen
...
die
Ja, ich stelle mir gerade
...
so vor
Buh aus Weimarer Sicht, hm.
stelle mir gerade so vor, die war ... Wie alt war sie im Vergleich
Ja,
zu
das
Goethe?
... Ich Naja, jung. Also wenn sie das wirklich beim ersten Mal auch schon gebracht hat, dann war sie zwölf. Also die
Ah.
hat sozusagen Geschenke da mitgebracht. Also war sie jedenfalls eine junge, Mädchen, junge Frau.
Ja.
Weil die Geschenke kamen ja öfters.
Ja, ich stelle mir so vor, wieso schenkt sie dem Herrn Geheimrat Goethe solche Sachen?
Wenn Goethe sich dafür interessiert, sie da Zugang hat, das haben auch sicher andere geschenkt, so genau wissen wir das
nicht.
Ja.
Vermittlung werden Goethe Algen von der Nord- und Ostsee geschenkt.
Ja.
Über
Über
Vermittlung werden ihm ein Tau eines der englischen Marine geschenkt, das ja bekanntlich immer mit einem roten Faden
durchzogen ist.
Mhm.
Das ist da, wo unsere Metapher der rote Faden herkommt. Das hat Goethe nämlich in den Wallverweidenschaften erwähnt.
Mhm.
Und es hat dann jemand zum Anlass genommen, Goethe so ein Exemplar eines Seils der englischen Marine zu schenken und das
haben wir heute noch. Es ist ziemlich braun geworden.
Ich will so ein bisschen darauf hinaus, ob man, ich meine, wenn man jemandem was mitbringt,
ja.
und wiederholt immer wieder was mitbringt, dann ist das ja einfach auch ein Zeichen von Sympathie.
Also irgendwie haben die sich anscheinend gut verstanden vielleicht.
Ja, das kann ich nicht ausschließen. Es ist ja so, dass Goethe überhaupt im Hof einfach verkehrt hat, qu, naja,
freundschaftlich ist übertrieben, weil der Abstand natürlich immer schon da war, es war aber trotzdem auch
freundschaftlich. Gerade mit Karl August hat man sich ausgetauscht. Karl August war sehr interessiert an
Naturwissenschaften, das ist bekannt. Sein letzten Tag seines Lebens oder einem der letzten Tage seines Lebens hat er
noch mit Humboldt über schwierige naturwissenschaftliche
Genau.
Probleme, Astronomie diskutiert. Das war also ein Hof, der dem recht und sehr aufgeschlossen war, dass da jetzt dann
auch Dinge weg, sich also da hin und her gehen, das ist eigentlich nicht verwunderlich und dass das irgendwie
kommentiert wird. Man weiß, dass Goethe sich für diese Dinge, also für Naturwissenschaften interessiert, das
systematisch fast dann sammelt und beschreibt und sich damit beschäftigt. Ja, also und
Okay, ich...
so ist es halt hier geblieben dann.
Ich finde, irgendwie das sagt irgendwas, finde ich, wenn so ein junges Mädchen, also sie kann ihn, sie mochte ihn
vielleicht einfach, das... Onkel.
Wenn man so will, genau, ja.
Nö,
Ja,
so irgendwie.
genau.
Den, mit dem
Klar.
sie, ja, und den sie gerne immer wieder Sachen gebracht hat.
Was mir gerade so ein bisschen auffällt, all der Akribie, mit der gesammelt wurde und katalogisiert und beschriftet
wurde,
Bei
ist es nicht eigentlich erstaunlich, dass es trotzdem, ich weiß nicht, wie hoch der Anteil ist in der Sammlung, von
Dingen, von denen ihr nicht wisst, wo die Sachen herstammen, weil es keiner notiert hat?
Ist das ein, wie soll man sagen?
Der Anteil ist hoch.
Ist das ein, ja, eigentlich überraschend, oder?
Finde ich auch, oder fand ich auch, als ich hierher gekommen bin. Du gehst ja, wenn du dich mit Goethe beschäftigst,
mit dem Gefühl an die Sache, es ist schon alles hundertmal gesagt.
Ja, klar.
ist schon alles
Es
hundertmal erforscht. Das gilt für die Sammlungen nicht, haben wir ja öfter schon, glaube ich, hier jetzt besprochen.
Ja, ja, ja.
Es sind viele Dinge drinnen, die quasi zufällig hier gelandet sind und eben viele, wo das eben nicht der Fall ist.
Ja.
Ja, aber irgendwie so eine, was ich, auch auf den Etiketten nicht oder in einem Katalog, wo dann vielleicht einfach eine
Rubrik steht, selb gesammelt, also Goethe selbst oder andere Personen haben das mitgebracht oder geschickt.
Na ja, solche Kataloge wurden natürlich dann museal angelegt. Das ist...
Mhm.
Da hat man die Informationen so weit, das ging, zusammengetragen.
Aber Goethe selber und alle seine Mitstreiter haben das nicht gemacht?
Nein. Also Goethe hat keinen Katalog seiner Sammlungen angelegt. Den ersten Katalog, dazu gibt es aus den 1840er Jahren,
also nach Goethes Tod, 1840.
Mhm.
Wo es darum ging, dass man sich die Frage gestellt hat, wie viel ist das wert? Kann man das auch verkaufen? Kann man das
dem preußischen oder sonst jemandem Staat anbieten? Dazu wurde ein dreibändiger Katalog gemacht in längerer Zeit. Es
kam ja dann bekanntlich nicht zum Verkauf der Sammlungen. Goethe wollte ja das auch alles zusammenhalten und der
Wissenschaft weiter zugänglich machen. Man darf sich auch nicht vorstellen, dass das so gesammelt wurde, wie man das
heute macht. Ich meine, Goethe hatte sehr viel zu tun. Er hat jetzt nicht da jetzt wissenschaftlich wie ein
Registrator...
Ja.
...da jetzt jeden Eingang penibel verzeichnet.
Mhm.
Er hat natürlich, wenn das beschriftet war, diese Beschriftungen, also natürlich ist es eigentlich gar nicht, aber
diese Beschriftungen behalten, soweit wir das wissen zumindest. Dadurch haben wir viele Beschriftungen, er hat selber
auch was gemacht, aber jetzt nicht systematisch und das macht es dann natürlich schwierig. Denn der Katalog, der dann
in den 1840er Jahren von Schuchert hergestellt wurde,
beschreibt das zum Teil nur sehr summarisch. Also da kann man zwar den ausgestopften Haifisch wieder erkennen,
der
es gibt eben auch so einen Haifisch, den Goethe da hat,
Aber man kann viele Dinge eben nicht eindeutig intensifizieren, wenn dann steht, 14 Meereschnecken, wer welche denn?
Und woher kommen sie? Aber es belegt einfach, dass es damals das auch schon auf jeden Fall in der Sammlung gab, dass es
nicht irgendjemand später dazu gelegt,
Ja.
gestellt oder sonst was
Ja,
hat.
okay.
Theoretisch möglich.
Den Hai, hab ich den eigentlich gesehen? Ist der in der, in dem großen Schrank, der Glasschrank?
Der Hai, die sind alle versammelt hier im naturwissenschaftlichen Kabinett, da gibt's...
Also ein kleiner Hai dann, ne?
Es ist ein kleiner Hai, ja, der ist etwa, weiß ich nicht, 1,20 Meter lang, es gibt auch noch das Rostrum eines
Sägefisches.
Ja.
Also dieser,
ja,
dieses Ding, es gibt Seepocken, das sind, also die Gehäuse von Seepocken, das sind Cecilia-Krebse, die man ja auf dem
Meer, auf Walen oder an Meeresküsten oft an Felsen sieht. Solche Sachen, also richtig Dinge, die man mit dem Meer
verbindet.
Bringt mich zu der MARA-Ausgabe, weil die sind darauf gekommen, auf das Thema, weil ihr, in dem Fall du, ihr hattet mal
eine kleine Ausstellung zu dem Thema, wann war das, 25 oder 24, 20, 24?
Genau. Vor drei Jahren hatten wir die eben auch mit dem Unterthema Goethe und das Meer. Das war eine Studiausstellung,
da haben wir Dinge gezeigt, die man sonst eigentlich nicht zeigt. In einem Raum, das waren Algen, Meeresalgen, Goethe
hatte auch Algen, schöne, wunderschöne Rotalgen, unter anderem eine, wo wir das Glück haben, dass da eine
Herkunftsbezeichnung drauf steht und da steht französisch drauf, dass es vom Kapp der guten Hoffnung stammt.
Boah, ja.
Wie fragst du jetzt, wie wissen wir nicht, muss ich leider antworten, aber es steht drauf und das sind Dinge, die man
nicht jetzt im Gewächshaus sozusagen nachzüchtet, was ja bei vielen tropischen Pflanzen in Goethe-Sammlungen sicher
der Fall war, sondern das muss wirklich jemand mitgebracht haben. Das heißt, wir haben Objekte, die sehr, sehr
wahrscheinlich von der anderen Seite des Erdballs stammen, finde ich beeindruckend und das haben wir zum ersten Mal
gezeigt und wir haben da auch ein schönes Stück eines Holzes aus einem Schiff eines Ostindien-Seefahrers gezeigt, das
von Bohrmuscheln zerfressen war. Das kam auch in Goethe-Sammlung mit der entsprechenden Beschriftung.
Okay.
So wissen wir, dass es aus Ostindien, also von einem Ostindien-Fahrer stammt, also Ostindien ist das heutige
Indien-Indonesien, ganz dazu fest in den Karibikern.
Das heißt, der hat das wahrscheinlich irgendwo gefunden und dachte, was könnte ich Goethe
Wie
bringen, oder wie?
auch
Wie
immer.
auch
Wir
immer?
wissen nicht, wer das...
Ach so, okay. Ja. Goethe
hat sich interessiert. Goethe hat auch geschrieben über, also nicht nur über Neptunismus und Ähnliches, sondern hat
sich auch für so Meeresphänomen interessiert, unter anderem eben auch für das Phänomen der Bohrmuscheln. Und
wahrscheinlich steht das in dem Zusammenhang.
Mhm.
Ja.
Das war eine kleine Ausstellung, du sagst, eine Studie-Ausstellung, das heißt, ein Raum war irgendwie,
Genau.
da gab es dann, habt ihr so wie viele Stücke?
Ein Raum mit drei, vier Objekten
mit...
und
Drei, vier nur? Ah, okay.
Mit einer Vitrine und mit Habarblättern, mit den Originalen, die ja ganz schwierig zu zeigen sind, die
Ja.
können ja nur wenige Wochen gezeigt werden.
Mhm.
Also mit drei, vier dreidimensionalen Objekten und eben mit diesen seltenen Habarblättern.
Okay.
Die hauptsächlich wunderschöne Algen sind, aber eben nicht für die Dauerpräsentation
geeignet.
Und in dem Zusammenhang habt ihr vielleicht auch die ein, zwei Gedichte gezeigt oder ausgestellt? Ein Gedicht kann man
das eigentlich ausstellen? Man könnte das Original oder, keine Ahnung, eine Seite zeigen?
Ja, das ist ähnlich schwierig, wie eine Rotalge zu zeigen, die nur eine Zellschicht oder nur wenige Zellschichten dick
ist.
Aha.
Weil ja das Licht bekanntlich der Feind der Objekte ist.
Ja.
Und es mag vielleicht eher unisch sein, dass man jetzt jemanden, der sich so sehr für Licht und Sehen und Anschauung
beschäftigt hat, dass man die Objekte von dem nicht zeigen kann. Aber es ist eben so, dass die Objekte sehr schwierig
zu zeigen sind. Und deswegen zeigen wir bei solchen Ausstellungen nur am Anfang, oder meistens nur am Anfang, die
Originalschriften. Die werden dann durch Faximilis ersetzt.
Ja.
Wir haben da nichts gezeigt aus den, wenn man so will, Meeresgedichten oder Gedichten mit Meeresthemen. Aber wir haben
natürlich Fax zitiert. Wo es ja wirklich buchstäblich heißt, von Meere ist alles gekommen, sinngemäß aus dem Meere
stammt alles. Alles Leben.
Wenn man im Internet, in Google einfach Goethe und das Meer eingibt, dann landet man ganz schnell bei vor allem erst mal
einem Gedicht,
Mhm.
das nennt sich "Meeresstille".
Mhm.
Und dann in dem Zusammenhang manchmal taucht auch dann das zweite auf, das nennt sich "Glückliche Fahrt".
Mhm.
Und ich hab' eine
Die
Seite gefragt...
gehören zusammen, die sind...
Ja, abe das ist jetzt die Frage.
Ja, die gehören zusammen, das ist ganz klar.
Die gehören zusammen,
Mhm.
aber das sind zwei Gedichte, das ist nicht ein Gedicht, die irgendwie...
Also, das bezieht sich auf die Rückfahrt Goethes von Sizilien wieder Richtung Neapel, da kam
einer
es ja zu lebensbedrohlichen, quasi, Situation.
Okay.
Wo, wir sind ja im Zeitalter der Segelschiffe...
Ja. Wo
Windstille auftrat... Aha. Og
Ja.
wenn da mit dem Schiff ist schwer steuerbar, und wenn das dann durch die Strömung Richtung Land getrieben wird und
quasi dann zerdrückt wird...
Ja.
Dann entsteht, dann ist das eine tödliche Gefahr und... Und wenn du das Gedicht jetzt vor dir hast,
Ja. Ja.
dann siehst du ja, erstens ist das zweigeteilt, also die Meerestelle ist die Bedrohung, quasi.
Ja.
Und die glückliche Fahrt ist dann, als der Wind endlich aufkommt und man das Schiff steuern kann und es ist rhythmisch
komplett anders,
Ja.
genauso wie eben die Situation am Meer anders ist. Aber die Meerestelle ist da das gefährliche und tödliche.
Todesstille heißt ja
Also...
auch im Gedicht.
Was mich jetzt halt wundert ist, es wird halt immer oder vor allem findest du diesen ersten Teil... Jetzt nochmal ganz,
ganz konkret, also das ist eigentlich ein Gedicht aus zwei Teilen und das war schon von Anfang an so vorgesehen, weil es
taucht halt im Internet meistens immer nur dann der erste Teil auf als Meeresstille.
Ja, weiß ich nicht, wie es im Internet auftaucht,
Ja, ja.
aber es gehört zusammen.
Es gehört zusammen.
Genau, und es ist auch geschrieben worden und es ist so, es gehört auch deswegen zusammen, es ist die glückliche
Wendung,
hier
die stattfindet. Das ist ja fast ein glückisches Thema, dass das Drakische zwar da ist, aber es gibt eine glückliche
Wendung, die uns sozusagen ganz verteufelt, human aus dieser Drakentration heraus...
Willst du das, hast du das Gedicht auch vor dir?
Ja, ich hab's jetzt rausgesucht, nachdem
gesagt hast.
du's
Dann, ähm, willst du das, dann lese du doch den ersten Teil, dann lese ich den zweiten Teil.
Hm, okay, gut.
Meeresstille. Tiefe Stille herrscht im Wasser. Ohne Erregung ruht das Meer. Und bekümmert sieht der Schiffer glatte
Fläche. Rings und her. Keine Luft, von keiner Seite. Todesstille. Fürchterlich. In der ungeheuren Weite reget keine
Welle sich.
Glückliche Fahrt. Die Nebel zerreißen. Der Himmel ist helle. Und Aeolus löset das ängstliche Band. Es säuseln die
Winde. Es rührt sich der Schiffer. Geschwinde, geschwinde. Es teilt sich die Welle. Es naht sich die Ferne. Schon seh
ich das Land. Also das sind wirklich zwei Gegensätze.
Hm. Und
der Anlass ist tatsächlich die Überfahrt von Sizilien ans Festland.
Die Rückfahrt, genau. Von Sizilien nach Neapel.
Ich sie denn so, von Rofeltner oder so, weil mir kommt so die Situation gar nicht so bedrohlich vor, weil man ja
eigentlich von Sizilien aus dem Festland sieht. Von da, von
Naja,
der...
es ist nicht die Straße von Messina damit gemeint, sondern eben nach der längeren Fahrt.
Ja. Aus
dem Süden.
Okay.
Man dann endlich die Vorgebirge in der Bucht von Neapel sieht und dann dagegen gedrückt wird.
Ja .
Ja. Das Schiff war voll und die Menschen waren geängstigt und der Kapitän, ich habe die genaue Stelle jetzt in der
italienischen Reise nicht mehr im Kopf, aber ich glaube, der Kapitän hat auch sein Seinige dazu beigetragen, dass da
sozusagen panische Stimmung entsteht und man eben diese Klippen da gesehen hat, wie sie ständig, wie sie näher
konnte
kommen und man dagegen machen. Und dann kommt der Wind doch noch auf.
Und dann kann man verstehen, angesichts der Situation, dass dann auch so ein zweiter Teil ...
Genau.
... entsteht.
... sehr dargestellt. Bei der Hinfahrt übrigens nach Sizilien war Goethe seekrank.
Aha, klar,
Ja,
nachvollziehbar.
hat dem Meer sozusagen seinen Tribut gezollt. Es reizt mich, das jetzt mit Humboldt zu vergleichen, der nie seekrank war,
und der das genossen hat, diese Überfahrten, und der gar nicht genug haben konnte, von den ozeanischen Welten am
Atlantik, der den Engländern entkommen musste. Das war ja Humboldt vorher über den Atlantischen Kriegszeiten gegen
Napoleon mit einem spanischen Schiff, und ... Das ist schon ein gewisser Gegensatz,
...
also
Ich wird auch immer seekrank, selbst beim Ausflugsdampfer auf glatter See.
Die
rechte Schaukeln macht mich schon ganz ... Wie geht's dir?
Ich war noch nie seekrank, aber vielleicht war die Situation noch nicht so dark ...
Ja.
Wüsste ich jetzt nicht.
Zu dem Gedicht, es gibt eine Seite, die ich gefunden habe, wo das Gedicht … und dann wo das Gedicht zu finden ist.
Erstmal auch nur der erste Teil.
Mhm.
Mhm. Ist ganz interessant. Da gibt's ne Anmerkung zu, und zwar ... Es gab mal beim Deutschlandfunk einen Lyrik-Kalender.
Mhm.
Ähm ... Und da hat dann der Autor ein paar Worte zu diesem Gedicht geschrieben. Er schreibt dazu ... Also jetzt zu
Meeresstille, nur zu diesem ersten Teil. Eine der berühmtesten lyrischen Momentaufnahmen des Meeres liest man nicht
ohne Beklemmung, denn die spiegelglatte Fläche des Meeres ordnet sich hier nicht zu unserem Bild der Idylle, sondern
des Todesschreckens. Es hätte des im Gedicht bekümmert blickenden Seemanns nicht bedurft, um die Epiphanie des Nichts
zu erfahren, die Goethe in diesen acht Versen bedrohlich aufblitzen lässt. Die Goethe-Forschung hat den Schrecken
dieses 1795 entstandenen Gedichts zum Verschwinden bringen wollen, indem man der Meeresstille einen anderen Text zur
Seite stellte. Glückliche Fahrt, der in fast allen Goethe-Ausgaben unmittelbar auf Meeresstille folgt. Auch im
Erstdruck in Schillers Musenalbanach von 1796 stehen die beiden Gedichte unmittelbar hintereinander. In glückliche
Fahrt löst sich die Todesgefahr auf, Land kommt in Sicht, aber in Franz Schuberts Vertonung von 1815 wird die Stille
des Todes wieder vernehmbar, unversöhnt durch die glückliche Fahrt. Das war irgendwie Deutschlandfunk Lyrik-Kalender
Verlag, das Wunderhorn 2008.
Ja, das Gedicht ist öfters vertont worden. Schuberts Vertonung ist wahrscheinlich die berühmteste da.
Aber der hat auch nur den ersten Teil dann vertont?
Und mit der Frage hatte ich Thomas kurz auf dem falschen Fuß erwischt. Er war sich nicht ganz sicher, auch weil
draußen wieder Bauarbeiter rumschwirrten und er deswegen immer ein bisschen die Sammlung im Blick haben musste. Also
beschlossen wir, die Antwort zu verschieben. Ich habe ihn dann später nochmal angerufen per Telefon. Das schieben wir
kurz ein, damit die Frage nicht unbeantwortet bleibt. Dann geht es weiter mit dem ursprünglichen Gespräch.
Was wir aber klären wollten, war, was Schubert vertont hatte.
Ja, Schubert hat natürlich nur den ersten Teil vertont. Und wenn ich natürlich sage, ist das schon ein bisschen
übertrieben. Während Beethoven ja beide Teile vertont hat und viele andere eben auch, weil das gehört eben
Ja.
es ja die Auflösung einer lebensbedrohlichen Situation ist, nämlich dass wir nicht weiterkommen oder dass wir schon
weiterkommen, wenn es keinen Wind gibt mit Schiffen, die vom Wind abhängig und dann auf die Küste zugetrieben werden
oder auf die Klippen und so. Da zerschellen können quasi, ohne dass wir uns wehren können. Das ist ja die bedrohliche
bedrohliche Situation der Meerestille. uns ist heute Meerestille ja vielleicht nicht die erste Assoziation tödliche
Gefahr. Im Gegenteil, das ist ein idyllischer Ort vielleicht.
Und Und deswegen ist dieser zweite Teil, deswegen gehört der einfach dazu, weil er die Auflösung dieser tödlichen
Gefahr ja schildert. Dass eben der Wind aufkommt, die Brise aufkommt, dass ich wieder selber steuern kann mithilfe des
Segels und dann eben doch noch eine glückliche Fahrt daraus mache. Deswegen gehören die Gedichte oder diese Teile
zusammen oder es sind eben Teile. Und bei Schubert und Hessen, wie soll ich sagen, ohne dass ich da jetzt Geschehs
wiedergebe, Schuberts Leben war ja von Perioden tiefer Depression geprägt. Ja, Es sind bezeichnend, dass er nur den
ersten Teil betont und nicht den zweiten.
Gut, gut, gut, gut, haben wir das geklärt.
Und hier geht es weiter mit dem ursprünglichen Gespräch.
Andere Gedichte gibt es aber keine, oder?
Nachdem
allein die Lyrik, Goethes zwei Bände,
dicke
Bände ausmachen, kann ich mit Sicherheit ausschließen, dass es... Keine anderen Gedichte gibt, also
selbstverständlich gibt's welche, aber sind wir jetzt nicht präsent.
Hm, okay, okay. Ist ja auch, er war einmal am Meer.
Naja, es war schon öfters, also, war ja immer wieder bei der Italienreise, kannst du dem Meer ja nicht ausreichen.
Ja, und ist dann aber später nie wieder ans Meer zurückgekehrt, oder?
Also, wenn ich so nachdenke, fällt mir nur das Jahr 1790 ein, die Venedigreise. Und dann danach wüsste ich jetzt nicht,
wo Goethe noch ein Meer gewesen sein könnte.
Die
Italienreise war, 17,
86 bis 88 die erste große, das was man unter Italienreise versteht,
ja?
die zweite war ja dann wesentlich weniger bedeutend und kürzer und hat einen gewissen Unwillen von Goethe schon gemacht.
Die Fahrt, diese Überfahrt, also diese Sizilienüberfahrt, die der Anlass war, war bei der ersten und der zweiten?
Ja, bei der ersten. Bei
der ersten, weil hier steht, das Gedicht ist von 1795, das heißt, er hat es dann doch mit einigem Abstand.
Genau, natürlich. Das kommt ja oft vor.
Okay,
gut.
Also, zumindest ist er veröffentlicht.
Ja, gut. Also, wer noch etwas zu Goethe und dem Meer erfahren will, der kann dann das Mare-Heft lesen, mit einem
Interview mit dir.
Und einem schönen Text von Margret Wider.
Aha. Und wer ist sie? Kennst du sie?
Ja, natürlich. Er ist eine bedeutende Goethe-Forscherin, die viele Beiträge zu, vor allem zu Goethe und
Naturwissenschaften geliefert hat und
Vergnügen lesen.
Okay. Das Heft gibt es überall, wo es Zeitschriften gibt, wenn das noch jemand weiß. es die so gibt, viele Kioske gibt
es nicht mehr. Am Bahnhof vielleicht. Ansonsten, wie gesagt, auf die Webseite gehen, da kann man das Heft auch bestellen.
Das wäre es zu dem Thema, finde ich. Oder hast du noch was zu ergänzen?
fällt da jetzt nichts an.
Okay.
Dann hätten wir es für dieses Mal.
Das war Folge 25 des Goethe-Podcasts Natur und Geist mit Thomas Schmuck und Marcus Anhäuser. Alle Infos zur Folge
findet ihr wie immer in den Infos zur Folge. Wenn ihr Fragen, Anmerkungen, Lob oder Kritik habt, könnt ihr das gerne in
den Kommentaren auf der Podcastseite, bei Spotify oder Apple Podcasts loswerden. Wir freuen uns über jeden Kommentar.
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Und wenn ihr den Podcast fördern oder unterstützen wollt, folgt einfach den Links in den Shownotes. Da geht es zu
Steady oder der Riffreport.
Und das war es für diese Folge. Macht's gut.
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